pte20100910020 in Business
350.000 Österreicher trotz Job armutsgefährdet
Arbeiterkammer-Chef fordert Entlastung der Arbeitnehmer
Wien (pte020/10.09.2010/13:40)
Eine alarmierende Statistik von SORA http://sora.at und IFES http://www.ifes.at hat die Arbeiterkammer Oberösterreich http://www.akooe.at heute, Freitag, präsentiert. Demnach sind immer weniger Arbeitnehmer zufrieden mit ihrem Gehalt. Bei 350.000 Österreichern reicht der Verdienst nicht mehr zum Leben. Besonders betroffen sind junge Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Die höchste Zufriedenheit findet sich bei öffentlich Bediensteten, die niedrigste Zufriedenheit herrscht bei Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen."Wir brauchen eine Entlastung der Arbeitnehmer", sagt Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Aus seiner Sicht sei etwa eine Senkung der Lohnsteuer ein adäquates Mittel, um die Zufriedenheit wieder zu steigern. Zudem macht er sich für die Einführung eines Mindestlohns stark. Die ÖGB-Forderung von 1.300 Euro Mindestlohn sei angesichts der alarmierenden Zahlen in jedem Fall zu unterstützen.
Zahl der "Working Poor" steigt
Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass die Anzahl jener Österreicher, die trotz Berufstätigkeit nicht genug zum Leben verdienen, seit dem Jahr 2000 um 38 Prozent angestiegen ist. 350.000 Menschen sind hierzulande von Armut trotz Arbeit betroffen. "Das ist immerhin die doppelte Einwohnerzahl von Linz", verdeutlicht IFES-Statistiker Reinhard Raml im pressetext-Gespräch das Ausmaß dieses Problems. Im gleichen Zeitraum ist der Prozentsatz jener, die sehr gut von ihrem Gehalt leben können, von 55 auf 50 Prozent gefallen.
Mit der größten Gefahr, trotz Arbeit Armut zu leiden, sehen sich prekär Beschäftigte, Arbeiter und Migranten konfrontiert. Junge Frauen sind ebenfalls eine Risikogruppe - zwölf Prozent fallen unter den Begriff "Working Poor". Bei den Migranten sind besonders Personen mit türkischen Wurzeln von Armut trotz Arbeit betroffen. Das Phänomen arbeitender Armer könnte auch zum Problem für die öffentliche Hand werden. "Wenn man vor der Wahl zwischen schlechten Jobangeboten, die nicht zum Leben reichen, und der Arbeitslosigkeit steht, dann ist die Motivation, zu arbeiten, deutlich geringer", sagt Raml.
Vertrauen in Aufschwung noch gering
Die Krise sitzt den Arbeitnehmern noch im Nacken. Blickten 2007 noch 83 Prozent der Beschäftigten optimistisch in die Zukunft, so sind dies 2010 nur mehr 61 Prozent. "Hätten die Arbeitnehmer einen Aufschwung bemerkt, so wäre auch ihr Optimismus gestiegen", erklärt Raml. Besonders hervorzuheben seien aus seiner Sicht zwei besonders pessimistische Bevölkerungsgruppen.
"Ältere Arbeitnehmer über 45 zeigen den geringsten Optimismus", sagt der Statistiker. Nur 57 Prozent in dieser Altersgruppe sehen der wirtschaftlichen Zukunft positiv entgegen. Zudem ist auch ein alarmierender Vertrauensverlust bei jungen Arbeitnehmern unter 25 Jahren zu beobachten. Waren diese im Vorkrisenjahr 2007 noch zu 84 Prozent zuversichtlich, so glauben heute nur mehr 58 Prozent an eine rosige wirtschaftliche Zukunft.
Geringste Zufriedenheit bei prekär Beschäftigten
Besonders unzufrieden mit ihrem Einkommen sind Arbeiter. Nur 47 Prozent geben an, mit ihrem Verdienst zufrieden zu sein. Dieser Gruppe folgen Angestellte mit 61 und öffentlich Bedienstete mit immerhin 72 Prozent Zufriedenheit. Am unzufriedensten sind naturgemäß Menschen in prekären Verhältnissen. Nur 27 Prozent der Leiharbeiter und 42 Prozent der freien Dienstnehmer sind mit ihrem Verdienst zufrieden.
Eine besondere Diskrepanz in puncto Gehaltszufriedenheit findet sich zwischen verschiedenen Altersgruppen. Ältere Dienstnehmer über 45 sind mit 62 Prozent überdurchschnittlich zufrieden, Menschen unter 25 sind mit 50 Prozent deutlich weniger zufrieden. Zudem sind Männer mit 59 Prozent etwas zufriedener als Frauen mit 57 Prozent.
Fotos von der Veranstaltung stehen unter http://www.fotodienst.at/browse.mc?album_id=3247 zum Download bereit. (Ende)
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