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pte20100707041 Bildung/Karriere, Medien/Kommunikation

Gesprächsende ist Frage der Grammatik

Studie zeigt kulturelle Unterschiede unbewusster Gesprächssignale


Die Chinesin Xiaoting Li ermittelte, wie sich Menschen im Gespräch den Ball zuspielen (Foto: Privat)
Die Chinesin Xiaoting Li ermittelte, wie sich Menschen im Gespräch den Ball zuspielen (Foto: Privat)

Peking/Mannheim (pte041/07.07.2010/15:40) - Mit sehr unscheinbaren Winken teilen Menschen einander im Gespräch mit, dass sie dem anderen das Wort übergeben. Diese sprachlichen und non-verbalen Signale sind von Kultur zu Kultur verschieden, hat die Sprachwissenschafterin Xiaoting Li von der Universität Peking herausgefunden. Sie verglich, wie Chinesen, Engländer und Deutsche ihre Redebeiträge beenden und erhielt dafür am heutigen Mittwoch auf der internationalen Konferenz für Gesprächsanalyse http://www.icca10.org den Dissertationsförderpreis.

Im normalen Gespräch äußert sich ein zuhörender Gesprächspartner öfters unbewusst, etwa mit "hm" oder "ja". Er behindert dabei den Sprachfluss nicht, sondern zeigt Aufmerksamkeit. Unterbrechungen wie etwa Fragen macht er in der Regel erst nach einem Hinweis der Gesprächsübergabe, da ein Sprecher sonst auf Dauer den Eindruck bekommt, er dürfe nicht zu Wort kommen. Wie man in verschiedenen Sprachen das Redeende ankündigt, hat Li nun in interkulturellen Business-Verhandlungen erforscht.

Deutsch nutzt Grammatik, Chinesisch den Körper

"Im Deutschen sind die Signale des Redeschlusses vor allem sprachlich verankert", berichtet die Forscherin im pressetext-Interview. Das geschieht etwa durch die Sprachmelodie, noch stärker sind aber sprachliche Strukturen wie die Satzklammer, in der der zweite Verbteil das Signal für das Satzende bildet. Ganz konträr dazu ist das Mandarin-Chinesisch. "Hier ist es möglich, ohne Regel stets noch spontane Satzteile hinzuzufügen, wodurch Alltagsgespräche wesentlich lebendiger werden."

Da die chinesische Grammatik kaum Hinweise auf Gesprächsübergabe erlaubt, setzt man hier andere Mittel ein. "Einerseits ist hier die Tonhöhe entscheidend. Um in China das Redeende anzuzeigen, springt man in der Aussprache rasch von einem hohen Ton auf ein einen ganz tiefen. Damit sagt man dem anderen unbewusst, dass er doch übernehmen könnte", so Li. Zudem gibt es in China mehr visuelle Signale wie Mimik oder Gesten wie Kopfnicken. "Wer selbst zu Wort kommen will, richtet den Oberkörper nach oben oder nach vorne. Wer in Ruhe zuhören will, lehnt sich zurück."

Barrieren zwischen Kulturen abbauen

Solche Gesprächselemente gibt es zwar auch im Deutschen, doch werden sie hier oft unterdrückt. "Die untersuchten Deutschen waren stets beherrscht und achteten sehr professionell darauf, Emotionen und Gedanken nur sprachlich zu formulieren statt nach Außen zu tragen." Für Deutschlerner wird dies zum Problem. "Man muss alle Sprachregeln kennen, um solche unbewussten Hinweise zu verstehen. Umgekehrt sind Chinesischlerner gezwungen, aus nur nonverbalen Signalen auf das Ende zu schließen."

Damit deutet die Sprachforscherin bereits an, wo dieses Wissen zum Einsatz kommen soll. In Globalisierungszeiten gewinnt die Kommunikation in interkulturellen Settings stets an Bedeutung. "Je größer die Kulturdistanz, desto unterschiedlicher ist oft der Ausdruck. Man bekommt durch anfängliche Kommunikationsfehler durchaus ein Gefühl dafür, wie man selbst besserer Gesprächspartner werden kann. Das erfordert jedoch hohe Aufmerksamkeit und das Vorwissen, worauf man im Gespräch achten muss. Dazu gehören selbst Elemente der Mikroebene wie die Gesprächsübergabe", so Li.

Erkennen, was falsch läuft

Verliehen wurde der Preis vom Verein Gesprächsforschung http://www.gespraechsforschung-ev.de . "Forschungsziel ist, bei ständigen Gesprächsproblemen sagen zu können, was genau falsch läuft", so Vereinsvorsitzende Dagmar Barth-Weingarten gegenüber pressetext. Gespräche werden dabei mit Erlaubnis der Sprecher aufgezeichnet und nach Regulatorien analysiert. Im Idealfall führt das zu Ratschlägen, wie man strategisch besser vorgehen kann.

(Ende)
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