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pte20100909002 Kultur/Lifestyle, Medien/Kommunikation
ROG: Bereits 230 tote Medienmitarbeiter im Irak
Schutz für Journalisten in Kriegsgebieten stärker gesetzlich verankern
Berlin (pte002/09.09.2010/06:00) - Laut einem Bericht von Reporter ohne Grenzen http://www.reporter-ohne-grenzen.de wurden 230 Medienmitarbeiter seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen im Irak getötet. Das übersteigt die Zahl der ermordeten Reporter während des Vietnamkrieges, bei dem 63 Journalisten ums Leben kamen. Das jüngste Opfer der Gewalt im Irak war der 35-jährige Fernsehmoderator Riad el Sarai, der für den staatlichen Fernsehsender "El Irakija" gearbeitet hatte. Er wurde von unbekannten bewaffneten Männern am 7. September erschossen, als er am Morgen sein Haus in Bagdad verließ. "Wir möchten, dass der Schutz von Journalisten im Irak stärker gesetzlich verankert wird", so Anja Viohl, Sprecherin von Reporter ohne Grenzen Deutschland (ROG), gegenüber pressetext. Ein Kernanliegen der irakischen Regierung sollte es ferner sein, ihre Anstrengungen zur Aufklärung von Verbrechen an Journalisten zu intensivieren. Erste Schritte wie die Schaffung einer speziellen Polizeieinheit für Ermittlungen in Fällen getöteter Medienmitarbeiter sind bisher ohne nennenswerte Auswirkungen geblieben. In 99 Prozent der Mordfälle sind die Verantwortlichen bisher straffrei davon gekommen. Bilanz des Irak-Krieges Unter den 230 getöteten Medienvertretern waren 172 Journalisten. 93 Prozent davon waren Männer. Die meisten Journalisten wurden in Bagdad ermordet. Rund 70 Prozent der Journalisten starben bei gezielten Anschlägen und Attacken. In mehr als 80 Prozent der Fälle kamen die Täter aus den Reihen bewaffneter Gruppen, die im Widerstand zur US-Koalition und der irakischen Regierung stehen. Für rund zehn Prozent der Todesfälle waren die internationalen Besatzungstruppen verantwortlich. Die meisten Todesopfer, fast 90 Prozent, waren irakische Medienvertreter. Vermutlich spielten in vielen Fällen die politische Ausrichtung oder Nähe zu ethnischen Gruppen der Medien, für die sie arbeiteten, eine Rolle. Vor allem staatliche Medien wurden zur Zielscheibe von Gewalt: Sie werden von militanten oppositionellen Gruppen häufig verdächtigt, im Dienst der US-amerikanischen Streitkräfte zu stehen und deswegen als Verräter oder Feinde betrachtet. Auch Entführungen auf Rekordniveau ROG verzeichnete in den vergangenen Jahren einen weiteren Negativrekord im Irak: Mindestens 93 Medienmitarbeiter wurden im Untersuchungszeitraum des Berichts entführt. 47 von ihnen wurden wieder frei gelassen, 32 ermordet, das Schicksal weiterer 14 entführter Medienschaffender bleibt ungewiss. US-amerikanische Soldaten verhafteten rund 30 Journalisten, die irakischen Behörden nahmen mehrere Dutzend Reporter fest. Die meisten Journalisten wurden unter dem Verdacht verhaftet, sie kollaborierten mit aufständischen Gruppen. Aus Sicht von ROG handelte es sich häufig um willkürliche Festnahmen, deren Rechtmäßigkeit nicht ausreichend überprüft wurde. (Ende)
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