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pte20100907023 Umwelt/Energie, Forschung/Technologie
Pflanzenschutz der Zukunft: Käfer rutschen aus
Biomechanik liefert neue Ideen für Superkleber
Kartoffelkäfer-Füße: Haften gut an Pflanzen (Foto: D. Voigt, CAU Kiel)
Kartoffelkäfer-Füße: Haften gut an Pflanzen (Foto: D. Voigt, CAU Kiel)

Kiel/Berlin (pte023/07.09.2010/12:15) - Das Wissen über die kleinsten Strukturen von Pflanzen wird in Zukunft wichtige Probleme lösen. Einerseits gibt es Hoffnung auf neue Pflanzenschutzmittel, die den Schädlingen das Bewegen auf einer Wirtspflanze erschweren. Andererseits liefern Insekten mit ihrer Fähigkeit Eipakete an Pflanzen zu haften, Ideen für neuartige Superkleber. Das berichten Forscher um Dagmar Voigt von der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung http://www.pflanzenschutztagung.de , die derzeit in Berlin über die Bühne geht.

"Das Hauptinteresse der Arbeitsgruppe galt zunächst den Hafteigenschaften von Insektenfüsschen und Eiern an Pflanzen", meint Forscherin vom Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel http://www.uni-kiel.de/zoologie/gorb/dvoigt.html im pressetext-Interview. "Viele dieser Arbeiten stecken noch in den Kinderschuhen", so Voigt. Doch die ersten Forschungsergebnisse sind vielversprechend.

Trickkiste der Natur erforschen

"Es war immer ein Traum das Wissen um die Biomechanik auch im Pflanzenschutz effektiv einzusetzen", erklärt Voigt. "In einzelnen Kraftmessversuchen haben wir die Haltekräfte auf definierten, unterschiedlich rauen Oberflächen untersucht." Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf deren Haftung an Pflanzenoberflächen zu.

"Die Trickkiste der Natur ist reichhaltig", erklärt die Expertin. So können Kartoffelkäfer das 70fache ihres eigenen Körpergewichtes auf glatten Oberflächen halten. Die Spargelhähnchen - eine andere Blattkäferart - produzieren einen Proteinkleber, mit dem sie ihre Eier auf die Pflanze anhaften können. "Der Kleber, mit dem sie Eier auf die ohnehin schwer benetzbaren nadelähnlichen Spargelblätter kleben, hält mehr als das 20.000fache ihres Ei-Gewichts." Die Forscher haben herausgefunden, dass die Eier eine Verbindung mit den Wachskristallen der Blätter eingehen und der proteinhaltige Klebstoff dadurch eine besondere Festigkeit hat.

Oberflächenstruktur entscheidend

"Wenn die Schädlinge auf ihre Wirtspflanzen treffen, finden äußerst komplizierte Wechselwirkungen statt", meint Voigt. Und diese gelte es genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu ist es notwendig zu wissen, welche Haftstrukturen von Insektenfüßen wie funktionieren und welche Blattoberflächen besser oder schlechter zum Festhalten und Fortbewegen geeignet sind.

"Das Wissen um die einzelnen Pflanzenarten und ihren Hafteigenschaften sind bis dato noch nicht quantitativ erhoben worden", erklärt Voigt. "Viele der neuen Forschungsansätze stecken noch ganz am Anfang." Für die Forscherin ist aber gerade dieses Wissen ein viel versprechender neuer Ansatz im Pflanzenschutz. "Wenn wir die Wechselwirkungen besser verstehen, können wir Pflanzen züchten, deren Oberflächen zum Beispiel eine anti-adhäsive Wirkung haben.

Weitere Informationen "Funktionelle Morphologie und Biomechanik" in Kiel: http://www.flyfoot.de

(Ende)

Aussender: pressetext.deutschland
Ansprechpartner: Wolfgang Weitlaner
Tel.: +43-1-81140-307
E-Mail:
pressetext.deutschland
   
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