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Do, 09.02.2012
pte20100902001 Handel/Dienstleistungen, Unternehmen/Finanzen
Experten warnen vor Kehrseite des Exportbooms
Binnennachfrage muss steigen - Lohnzurückhaltung soll fallen
Berlin (pte001/02.09.2010/06:00) - Die starke Performance der deutschen Exportwirtschaft führt zu gefährlichen Leistungsbilanzüberschüssen. Als Nettogläubiger riskiert Deutschland deshalb auf dem internationalen Kapitalmarkt eine Entwertung seiner Forderungen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) http://diw.de rät deshalb, die Binnennachfrage innerhalb der Republik zu stärken. Als besten Weg dorthin sieht man die Aufgabe der Lohnzurückhaltungspolitik seitens der Exportwirtschaft. "Wir haben seit langer Zeit eine zweigeteilte Wirtschaftsentwicklung: Einerseits boomte der Export, andererseits wuchs der Binnenmarkt nur schwach", erklärt DIW-Expertin Mechthild Schrooten im Gespräch mit pressetext. Der vom Exportüberschuss induzierte Überschuss in der Leistungsbilanz kann sich jedoch destabilisierend auf die Wirtschaft auswirken. "Deutschland hat erhebliche Forderungen am Kapitalmarkt. Kommt es zu einer neuen Schuldenkrise werden diese Forderungen automatisch neu bewertet, dies kann weitreichende negative Effekte für das Gläubigerland mit sich bringen", so die Expertin. Höhere Löhne - höhere Nachfrage Mitgrund für die starke Performance beim Export war die Zurückhaltung von Lohnsteigerungen zugunsten internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Für Schrooten hat dies jedoch die deutsche Binnenwirtschaft geschwächt und zusätzlichen Druck auf den ohnehin krisengeschüttelten Privatkonsum ausgeübt. Eine Stimulierung der Binnennachfrage könnte den grassierenden Leistungsbilanzüberschuss eindämmen. Schrooten: "Der private Konsum ist das größte Aggregat der Binnennachfrage. Die Aufgabe der Lohnzurückhaltung wäre ein Lösungsansatz, bei der auch eine große Gruppe der Bevölkerung vom Aufschwung profitieren könnte." Der deutsche Export erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2010 rund 485 Mrd. Euro, dies bedeutet einen Anstieg um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Ausfuhr profitiert vor allem von den milliardenschweren Konjunkturprogrammen der Regierung und seiner Politik der Lohnzurückhaltung. Darüber hinaus gibt der relative schwache Euro unterstützende Impulse. Die stärksten Profiteure des deutschen Exportbooms sind der Maschinenbau, die Autoindustrie und die chemische Industrie, die rund 45 Prozent der Ausfuhren ausmachen. (Ende)
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