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pte20100415027 Politik/Recht, Unternehmen/Finanzen
Millionenbetrug: 60 Apotheken unter Verdacht
Falsche Abrechnungen durch billige Krebsmittel aus dem Ausland
Apotheken in Erklärungsnot (Foto: pixelio.de, Gabi Schoenemann)
Apotheken in Erklärungsnot (Foto: pixelio.de, Gabi Schoenemann)

Mannheim/Hamburg/Berlin (pte027/15.04.2010/13:45) - Der Betrug von Krankenkassen über den Vertrieb von billigen, nicht zugelassenen Krebsmedikamenten durch 60 Apotheken in Deutschland weitet sich aus. Der Schaden geht bereits in die Millionen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Mannheim die Ermittlungen ausgeweitet. Nachdem im Januar Anklage gegen einen Apotheker aus Mittelbaden erhoben wurde, hat sich nun auch die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden eingeschaltet.

Bis zu 35 Prozent weniger Kosten

"Wer gegen Recht und Gesetz verstößt, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem ist eine umfassende Aufklärung erforderlich", erläutert Christian Splett, Pressereferent der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA http://www.abda.de , auf Anfrage von pressetext. Um möglichst hohe Gewinne zu erzielen, sollen die beschuldigten Apotheker einem NRD-Bericht nach Wirkstoffe aus dem Ausland bezogen haben. Denn dort seien diese Stoffe oft günstiger zu haben. Dadurch hätte man die Kosten um bis zu 35 Prozent gedrückt.

Da auch Apotheker aus Augsburg, Braunschweig, Celle, Kiel, Mainz, Münster und Wuppertal zu marktüblichen Konditionen abgerechnet haben sollen, summiert sich der Schaden auf. Der gegenüber den Krankenkassen offensichtliche Abrechnungsbetrug hat bereits in Hamburg und Oldenburg zu Geldstrafen geführt. Der beschuldigte Mittelbadener Apotheker soll sogenannte Zytostatika zur Krebsbehandlung auf dem "grauen Markt" über Händler im Ausland bezogen haben. Er habe in Kauf genommen, im Inland nicht verkehrsfähige Arzneimittel zu erhalten.

Offenbar keine Gesundheitsgefährdung

Ob Krebspatienten im Zuge der Medikamente gesundheitlich geschädigt werden, ist unklar. Laut Staatsanwaltschaft hatte der beschuldigte Apotheker den Wirkstoffgehalt der Mittel bei der Herstellung individueller Infusionslösungen nicht geprüft. Wie die Ermittlungen gezeigt haben, wurden bei den sichergestellten Zytostatika bislang aber keine Hinweise darauf gefunden, dass diese wirkstofflos oder gesundheitsschädlich gewesen wären. Die Mannheimer ermitteln gegen einen weiteren Apotheker und drei Pharmahändler, von denen Mittel bezogen wurden.

Die Masche fiel nur auf, weil einem Pharmagroßhändler ein Krebsmittel aus dem Ausland zu auffällig günstigen Konditionen angeboten wurde. Bei dem Check der Substanzen hatte sich herausgestellt, dass das über die Schweiz und Dubai gelieferte Präparat wirkungslos war. Der Pharmagroßhändler benachrichtigte daraufhin die Krankenkassen, die Nachforschungen einleiteten. Der Schaden geht in den zweistelligen Millionenbereich. Die AOK Niedersachsen spricht von über zwei Mio. Euro Schaden und die Ersatzkassen von mindestens zehn Mio. Euro.

(Ende)

Aussender: pressetext.deutschland
Ansprechpartner: Florian Fügemann
Tel.: +43-1-81140-305
E-Mail:
pressetext.deutschland
   
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