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pte20100312021 Umwelt/Energie, Forschung/Technologie
Blütenduft ist von Insekten abgekupfert
Pflanzen nutzen Sexual- und Abwehrsignale aus dem Tierreich
Rosenduft betört Menschen - und ist doch Insekten zu verdanken (Foto: aboutpixel.de/Macka)
Rosenduft betört Menschen - und ist doch Insekten zu verdanken (Foto: aboutpixel.de/Macka)

Zürich (pte021/12.03.2010/11:45) - Der Blütenduft, den wir Menschen so schätzen, ist in Wahrheit das Ergebnis der Kopie der chemischen Kommunikation der Insekten durch die Pflanze. Diese schützt sich damit vor Fressfeinden und lockt Bestäuberinsekten an, berichtet Florian Schiestl von der Universität Zürich http://www.uzh.ch in der Fachzeitschrift "Ecology Letters". "Bisher wusste man, dass etwa Orchideen Sexualpheromone gezielt einsetzen. Ein ähnlicher Mechanismus dürfte jedoch für das gesamte Pflanzenreich gelten", so der Studienautor im pressetext-Interview.

Schiestl analysierte die flüchtigen Signalmoleküle - sogenannte Pheromone - von 96 Pflanzen- und 87 Insektenfamilien. Dabei zeigten sich wesentliche Parallelen in den chemischen Substanzgruppen der Monoterpene und Aromate. Monoterpene kommen außer bei Pflanzen bei pflanzenfressenden Insekten in der Verteidigung vor, Aromate bei Bestäuberinsekten als Sexuallockstoffe. "Blüten dürften somit Aromaten zum Anlocken der Bestäuber und Monoterpene zum Abschrecken der Fressfeinde einsetzen", schließt der Forscher.

Ergebnis der Evolution

Erklärbar sei dieses Phänomen durch die Evolution. "Einige kleine Moleküle kommen im primären Stoffwechsel sowohl bei Pflanzen als auch bei Insekten ident vor. Lockt die Ausbildung eines bestimmten Moleküls einer Pflanze mehr Bestäuber an oder schreckt Feinde ab, so wird dieses wegen des Erfolgs infolge der natürlichen Selektion im Laufe der Generationen stärker ausgebildet." Da Blütenpflanzen mit 130 Mio. Jahren wesentlich jünger seien als viele Insektengruppen, dürften die Pflanzen die Insektenkommunikation kopiert haben und nicht umgekehrt.

Der Duft einer Blüte ist allerdings häufig sehr viel komplexer als die Kommunikationssignale von Insekten, gibt Schiestl zu bedenken. "Das Duftgemisch soll viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Für die Pflanze ist die Blüte der wertvollste Teil, da er die Samen produziert. Entsprechend gut verteidigt sie diesen Schatz und sorgt dafür, dass die Bestäubung erfolgt", erklärt der Züricher Biologe. Oft seien es auch die Abschreckmittel Terpene, die vom Menschen in geringen Mengen als wohlriechender Duft wahrgenommen werden.

Duft für neue Medikamente

Die Bedeutung pflanzlicher Duftstoffe für den Menschen geht jedoch weit über die wohltuende Funktion hinaus. "Aus dem pflanzlichen Abwehrmechanismus geht zum Beispiel die Wirkung vieler Duftmoleküle gegen Pilze und Krankheitserreger hervor. Ebenso enthalten Kerzen, die Mücken fernhalten sollen, oft pflanzliche Substanzen." Jedoch auch für die Pharmaindustrie seien Pflanzendüfte ein Sammelsurium für neue Medikamente und Kosmetika. "Da es so viele Pflanzen gibt und diese verschiedenste Düfte entwickelt haben, steht uns noch ein riesiges Ideenpool zur Verfügung", betont Schiestl.

Originalartikel unter http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/123317315/HTMLSTART?CRETRY=1&SRETRY=0

(Ende)

Aussender: pressetext.schweiz
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
Tel.: +41-44-200-11-44
E-Mail:
pressetext.schweiz
   
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