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Mi, 08.02.2012
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pte20100208023 Medizin/Wellness, Politik/Recht
Haiti: Lücken in der Katastrophenhilfe
Unfallchirurgen fordern bessere Vorbereitung der Helfer
Haiti zeigt, dass Katastrophenhilfe gute Planung und Koordination braucht (Foto: jugendeinewelt.at)
Haiti zeigt, dass Katastrophenhilfe gute Planung und Koordination braucht (Foto: jugendeinewelt.at)

London/Wien/Berlin (pte023/08.02.2010/12:30) - Die internationale Nothilfe nach Naturkatastrophen ist lückenhaft und sollte verbessert werden. Zu diesem Schluss kommen englische Unfallchirurgen in einem Bericht, der auf der Homepage des British Medical Journal veröffentlicht wurde. Von Fehlern in der aktuellen Koordination der Erdbebenhilfe in Haiti solle man lernen. "Haiti ist die perfekte Gelegenheit, tatsächlich international zu kooperieren. Das Land wird durch langfristige Hilfe beim Wiederaufbau profitieren und die Medizin wird einiges für den Fall gelernt haben, dass eine ähnliche Katastrophe wieder passiert", so die Autoren um Charles Krin.

Vorbereitung entscheidet über Erfolg

Hauptkritikpunkt ist der Mangel an Vorbereitung und Koordination der Helfer, der die Situation verschlimmern und die Effizienz der Hilfe verschlechtern könne. Viele medizinische Helfer aus entwickelten Ländern wüssten nicht, was sie tun sollten, wenn sie den Schrecken eines größeren humanitären Desasters ausgeliefert sind. "Dadurch werden viele Maßnahmen gut gemeint, jedoch schlecht durchgeführt", so die Mediziner.

Die nach Ansicht der Autoren optimale Voraussetzungen für Ärzte sei ein grundsätzliches Verständnis über Unfallchirurgie, die Fähigkeit, Wunden oder Brüche mit wenig Ausrüstung und in nicht-steriler Umgebung zu behandeln, sowie auch grundlegendes Wissen über den Bau von Stanitäranlagen sowie über Wasserreinigung. Allen, die als freiwillige Helfer anpacken wollen, raten die Autoren, sich bewährten Organisationen anzuschließen und zu trainieren, um im Katastrophenfall tatsächlich einen sinnvollen Einsatz zu leisten.

Rotes Kreuz: Reaktion auf konkreten Bedarf

Viele der derzeit in Haiti tätigen Organisationen sind mit dieser Problematik vertraut. "Gleich nach dem Beben meldeten sich viele - von Ärzten bis Hausfrauen - die vor Ort mithelfen wollten, und sei es nur zum Schachtelschlichten. Dieses persönliche Engagement ist hoch zu schätzen, dennoch müssen wir solchen Anfragen bei einer Katastrophe diesen Ausmaßes absagen", berichtet Andrea Winter, Sprecherin des Roten Kreuzes Österreich http://www.roteskreuz.at , im pressetext-Interview. In den Einsatz geschickt werden allein erfahrene Fachkräfte wie etwa Wassertechniker, Ärzte, Logistiker oder Spezialisten des Suchdienstes, die als haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter des Roten Kreuzes entsprechende Ausbildung und Vorbereitung besitzen.

In der Praxis führe die generelle Alarmbereitschaft bei Katastrophen erst nach einem bestimmten Procedere zu einer Einsatzplanung. "Entscheidend ist, dass zunächst das Land selbst Hilfe vom Roten Kreuz anfordert und dass eine erste Einschätzung des Ausmaßes der Katastrophe geschieht. Die Zentrale des Roten Kreuzes in Genf informiert die Länder, welche Experten benötigt werden, worauf die dafür in Frage Kommenden per SMS informiert werden", so Winter. Innerhalb von Stunden könnten die Kontingente der Einsatzbereiten in den Ländern an die Zentrale vermeldet werden.

Ärzte ohne Grenzen: Berufserfahrung erforderlich

Alleine auf medizinische Fachkräfte konzentriert sich hingegen Ärzte ohne Grenzen MSF http://msf.org . "Wir besitzen einen Pool von medizinischen Mitarbeitern, die je nach Bedarf kontaktiert werden", erklärt MSF Deutschland-Sprecherin Claudia Evers gegenüber pressetext. Im Fall Haitis wurden zunächst Französisch sprechende Ärzte benötigt. "Wir konnten schnell reagieren. Bereits am Morgen nach dem Beben hatten wir die ersten Zusagen, am zweiten Tag sind die ersten ausgeflogen. Derzeit sind mehr als 300 Mediziner und Logistiker mit MSF in Haiti", so die Pressesprecherin.

Wenngleich sich nach dem Erdbeben einige Ärzte spontan gemeldet hätten, um nach Haiti zu gehen, wurden diese auch bei MSF nicht berücksichtigt. "Voraussetzung für die Mitarbeit ist ein Minimum von zwei Jahren Berufserfahrung, ein zweiwöchiger Vorbereitungskurs, Immunisierung und spezielle Weiterbildungen, falls erforderlich." Der Einsatz wird nicht vergütet. "Die Ärzte erhalten eine Aufwandsentschädigung und die Bezahlung von Reise, Unterhalt und Versicherung. Die Mitarbeit geschieht jedoch ehrenamtlich", so Evers.

Originalartikel unter http://www.bmj.com/cgi/content/extract/340/feb02_2/c562

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
Tel.: +43-1-81140-316
E-Mail:
pressetext.austria
   
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