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Mi, 08.02.2012
pte20100201024 Medien/Kommunikation, Politik/Recht
Medien vergessen 2009 erneut auf zentrale Themen
Initiative Nachrichtenaufklärung listet wichtigste vernachlässigte Bereiche auf
Dortmund (pte024/01.02.2010/13:45) - Die Medien haben auch 2009 wieder auf zentrale Themen "vergessen" und diese in ihrer Berichterstattung vernachlässigt. Wie schon in den Jahren zuvor hat die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) http://www.nachrichtenaufklaerung.de neuerlich eine Liste mit den zehn wichtigsten Themen erstellt, die kaum oder zu wenig Beachtung gefunden haben. Auf Platz eins liegt 2009 der Bereich Notstand im Krankenhaus: Pflegebedürftige allein gelassen. Während eine halbe Mio. Menschen in Deutschland auf eine Pflegehilfe angewiesen ist, wird der Problematik, dass solche Leute im Krankenhaus oft auf diese Hilfe verzichten müssen, keine mediale Bedeutung beigemessen. "Die Gründe für die Vernachlässigung in dem Medien können wir nur vermuten, aber es spielt sicher eine Rolle, dass Pflegebedürftige oder Behinderte über keine starken Lobbys verfügen, die ihnen Gehör verschaffen", meint Miriam Bunjes, Leiterin des Rechercheseminar der INA, im Gespräch mit pressetext. Es komme aber auch vor, dass politische Interessen hinter bestimmten Themen eine weite öffentliche Verbreitung verhindern. Psychiatrie und Kriegsberichterstattung Auf Rang zwei der vernachlässigten Top-Themen 2009 wählte INA Psychiatrie: Bundesregierung biegt UN-Konvention zurecht. In Deutschland können Menschen zwangseingewiesen werden, wenn Fachleute sie als Gefahr einstufen. Die UN-Behindertenrechtskonvention aber schreibt vor, dass Zwangseinweisungen nur bei strafrechtlich relevantem Verhalten erlaubt sind. Auch dieses Thema wurde so gut wie nicht aufgegriffen. Auf Rang drei liegt die Kriegsberichterstattung. "Im Bereich Militär ist die Berichterstattung oft dürftig, weil viele Informationen geheim sind und gar nicht bekannt werden sollen. Die Recherchearbeit gestaltet sich also entsprechend schwierig", so Bunjes. Ebenso wenig beachtet wurden die Thema Rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt (Rang vier) und Lücken der Finanzaufsicht bei Kirchen (Rang fünf). Komplex und aufwendig "Generell fallen oft solche Dinge durch den Rost, die komplex oder aufwendig in der Recherche sind", meint Bunjes gegenüber pressetext. Journalisten würden in der Regel über konkrete Ereignisse, weniger über dauerhafte Zustände wie beispielsweise die Probleme in der Pflege berichten. "All so etwas erfordert viel mehr Recherche und einen größeren Aufwand, worauf viele dann verzichten und nicht berichten", so Bunjes weiter. Davon abgesehen wechseln die von den Medien vernachlässigten Themen im Einzelnen aber ständig. Nicht jedes Jahr stehen laut INA exakt dieselben Bereiche auf der Liste. Zur Auswahl der Themen hat die Initiative verschiedene Kriterien festgelegt. So werden Bereiche gelistet, die unter anderem "der Bevölkerung in Deutschland (und Europa) bekannt sein sollten, zu denen sie aber nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang hat", "für einen Großteil der Bevölkerung relevant sind" und "eindeutig konzipiert sind und auf zuverlässigen, überprüfbaren Quellen basieren". Die vollständige Liste der vernachlässigten Top-Themen 2009 finden Sie hier: http://www.nachrichtenaufklaerung.de/index.php?id=190 (Ende)
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