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Do, 08.10.2009 17:20
pte20091008101 Medien/Kommunikation, Handel/Dienstleistungen
Print: Gratismentalität wird zentrale Frage
Zeitungen setzen Hoffnungen in ein Hybridmodell
Wien (pte101/08.10.2009/17:20) - Die selbst miterschaffene Gratiskultur in den Medien lässt die Printverlage mit offenen Fragen zurück. Obwohl weder das Internet noch die Veränderungen, die dieses für klassische Medien mit sich gebracht hat, inzwischen mehr als neu bezeichnet werden können, herrscht bei Zeitungen und Zeitschriften nach wie vor weitgehende Ratlosigkeit, wie mit den neuen Technologien in Zukunft erfolgreich gearbeitet und das eigene Fortbestehen gesichert werden kann. Dies hat sich im Zuge der Podiumsdiskussion mit dem fragenden Titel "Die Tageszeitung wird zum Magazin und das Magazin wird zu Online?" im Rahmen der österreichischen Medientage http://www.medien-tage.at ein weiteres Mal bestätigt. "Die große Frage ist, wie wir mit der Gratismentalität umgehen - nicht nur im Web, sondern auch im Print. Qualität kostet etwas", so Alexandra Föderl-Schmidt, Chefredakteurin der Tageszeitung Der Standard. Unklar sei, wie man dies den Lesern vermitteln könne. Die größten Hoffnungen setzen ähnlich wie die Fernsehbranche auch die Zeitungen in so genannte Hybridmodelle - also eine Mischung aus kostenlosen und kostenpflichtigen Inhalten im Web. Fellner: Web schadet Zeitung nicht Dass die Tageszeitung aufgrund des Internets sterben wird, hält Medienurgestein und Herausgeber der Tageszeitung Österreich Wolfgang Fellner für äußerst unwahrscheinlich. "Das Web schadet der Zeitung nicht. Es stimmt nicht, dass die Jungen keine Zeitung mehr lesen", so Fellner. Generell sei ihm das Internet zurzeit jedoch noch zu chaotisch und im Bereich Social Networks weitaus spannender als in journalistischer Hinsicht. Walter Mayer, Chefredakteur von Bild am Sonntag, mangelt es bei den Webangeboten der Printmedien an Schärfe und Kernkompetenz. "Das, was Print ausmacht, beispielsweise die Reportage, ist online nicht zu finden", so Mayer. Sowohl Fellner als auch der Bild-am-Sonntag-Chef sind überzeugt, dass die Zukunft der Zeitungen im Netz in Hybridmodellen liegt. Dass in Hinkunft alle Inhalte weiterhin gratis verbreitet werden, also auf werbefinanzierter Basis laufen, dafür spricht sich eigentlich nur Oliver Voigt, Herausgeber der Verlagsgruppe News, aus. Er widerspricht der These, das Magazin werde online aufgefressen. Im Gegenteil biete das Netz den Zeitschriften erstmals auch die parallele Chance, tagesaktuell mitzumischen. Fleischhacker: Bezahlinhalte werden kommen Für Christoph Kotanko, Chefredakteur des Kurier, ist die Frage nach Paid-Content hingegen bereits abgehakt. "Wir haben gar keine andere Wahl. Der Punkt ist vielmehr, wie die Zeitungen online Geld verdienen können und dazu müssen zunächst die Erlösstrukturen verbessert werden." Bezahlinhalte werden kommen, das glaubt auch Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Tageszeitung Die Presse. "Allerdings müssen dafür die Inhalte geändert und der Blick auf die mobilen Services gerichtet werden. Denn hier sind die Jugendlichen sehr wohl bereit und gewohnt zu bezahlen", betont Fleischhacker. Die plausibelste Strategie ist auch für ihn ein Hybridmodell. Die Formen der einzelnen Printmedien vermischen sich zunehmend, dennoch wird keine untergehen, sind sich die Branchenvertreter einig. Gleichzeitig herrscht jedoch nach wie vor Chaos im Umgang mit den durch die digitalen Medien veränderten Rahmenbedingungen. So ist es auch wenig überraschend, dass sich die Mehrheit für die Fortsetzung einer "Trial-and-Error"-Strategie ausspricht. Fotos zu den Medientagen befinden sich unter http://www.fotodienst.at/browse.mc?album_id=2930 sowie http://www.fotodienst.at/browse.mc?album_id=2933 zum Download. (Ende)
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