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pte20090930113 Umwelt/Energie, Kultur/Lifestyle
Tsunami zerstört südpazifische Inseln
Ethnologe: "Soziale Umgangsformen mit Katastrophen"
Wien (pte113/30.09.2009/13:45) - Im Südpazifik hat ein großes Seebeben von der Stärke 8,0 in den heutigen Morgenstunden einen verheerenden Tsunami ausgelöst. Auf den Inselstaaten Samoa, Amerikanisch-Samoa und im weiter entfernteren Tonga gibt es laut bisherigen offiziellen Angaben mindestens 113 Tote und tausende Obdachlose. Laut Augenzeugen wurden ganze Dörfer und Ferienanlagen von den bis zu neun Meter hohen Flutwellen ausgelöscht. Das Epizentrum des Bebens lag 190 Kilometer nördlich der Küstenstadt Apia auf Samoa, wodurch die Flutwelle in bereits 15 Minuten die Insel erreichte. Die Tsunami-Frühwarnung, die auf Samoa per SMS ans Handy erfolgt, kam daher für viele nicht mehr rechtzeitig, um sich noch ins sichere Landesinnere zu retten. "Tsunamis sind in Samoa keine Seltenheit", berichtet Hermann Mückler, Anthropologe und Präsident der österreichisch-südpazifischen Gesellschaft http://www.univie.ac.at/ospg , im pressetext-Interview. Aufgrund der Lage nahe des Tonga-Grabens, der als besonders tektonisch und auch vulkanisch aktiv gilt, erreichen von Seebeben ausgelöste Flutwellen den Inselstaat ebenso in zyklischen Perioden wie die noch häufiger auftretenden Wirbelstürme. Ein Risiko sei dies für alle Bewohner Samoas, dessen Dörfer nur wenige Meter über dem Meer liegen. "Das gesamte gesellschaftliche Leben geschieht am Meer, denn es gibt kaum Inlanddörfer. Nur im flachen Küstenbereich gibt es Straßen sowie für den Ackerbau geeigneten Boden, während das Inland gebirgig ist. Das Meer ist auch der wichtigste Verkehrsweg." Traditionelle Wohnformen auf Samoa bieten einen gewissen Schutz vor der ständigen Gefahr, die vom Meer ausgeht. "Früher verwendete man eine verwindungsstabile Architektur aus Holz oder Palmblättern, die sich bei starker mechanischer Einwirkung wie etwa einer Flutwelle verbiegen kann, ohne zu brechen. Moderne Bauten aus Ziegel und Wellblech, die im Zunehmen sind, stürzen hingegen bei derartiger Einwirkung sofort ein", so der Wiener Südpazifik-Experte. Auch der Anstieg der Bevölkerung an den Küsten, der auch die Wohndichte erhöhte, würde zu einer hohen Opferzahl bei derartigen Katastrophen führen. Soziale Schutzmaßnahmen bei derartigen Verwüstungen sind Mückler von mehreren pazifische Inselstaaten bekannt. "Sogar heute gibt es noch Verträge der Rückversicherung, bei denen die Bewohner verschiedener Inseln durch Besuche regelmäßigen Kontakt aufrechterhalten. Wird die eigene Insel verwüstet, kann man somit bei den Bekannten eine begrenzte Zuflucht nehmen." Auch in Samoa seien die Familienbande stark und garantierten den guten Zusammenhalt besonders in Notsituationen. "Traditionelle Netzwerke ermöglichen es, relativ gut mit Katastrophen umzugehen, wenngleich sie die Tragik für den Einzelnen beim Verlust eines Verwandten nicht schmälern können." (Ende)
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