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Fr, 10.02.2012
pte20090724008 Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
Unternehmen hetzen Privatdetektive auf Mitarbeiter
Degussa-Angestellte bespitzelt - Datenweitergabe in der Kritik
Hamburg/Essen/Dortmund (pte008/24.07.2009/11:20) - Zielgerichtete Bespitzelungen von Mitarbeitern durch angeheuerte Privatdetektive werden in der Bundesrepublik in einem weitaus größeren Ausmaß durchgeführt als bislang bekannt. So dürften die bisherigen Skandale um die Deutsche Bank, der Telekom und die Deutsche Bahn keine Einzelfälle sein, sondern vielmehr die Spitze eines Eisbergs markieren. Einem Stern-Bericht nach hat nun auch die Chemie-Tochter Degussa http://www.degussa.de des Mischkonzerns Evonik die Laborhilfe Sonja K. observieren lassen. Überprüft werden sollte, ob sie trotz der Krankmeldung ihrem Nebenjob nachging. Dass dabei oft auch sensible Daten wie Größe, Gewicht, Alter, Adresse und Autokennzeichen weitergegeben werden, erhitzt die Gemüter. "Ich bin mir nicht sicher, ob Bespitzelungen von Mitarbeitern durch beauftragte Detekteien in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Fakt ist, dass es diese Recherche seitens vieler Unternehmen schon immer gegeben hat. Was sich verändert hat, ist vielmehr die Sensibilität der Öffentlichkeit für solche Vorfälle", erklärt der Dortmunder ver.di-Gewerkschaftssekretär Norbert Hüwel http://www.verdi.de auf Nachfrage von pressetext. Laut dem Experten hätten dies versteckte Kameras bei Großhandelsketten wie Lidl, Aldi, Edeka und Plus spätestens seit 2008 deutlich gezeigt (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/080326021/). In dem Bericht heißt es in Bezug auf die Degussa-Mitarbeiterin in den Detektei-Protokollen, dass die Spitzel vor dem Haus der Angestellten Posten bezogen und deren Aktivitäten untersuchten. Ersten Informationen nach soll Evonik der Detektei private Daten überlassen haben. Darunter sollen sich auch Fotos von einer Betriebsveranstaltung befunden haben. "Wenn Unternehmen mit hochsensiblen Daten hausieren gehen, kann dies schnell problematisch werden und ist bei keinen Verdachtsmomenten rechtlich unzulässig", stellt Hüwel gegenüber pressetext klar. Das Unternehmen hat sich inzwischen von dem Schnüffeleinsatz distanziert und spricht von einem "Fehlverhalten der verantwortlichen Führungskraft". Obwohl Evonik intern scheinbar bereits erste Konsequenzen gezogen hat, bleibt ein schaler Beigeschmack. Der ver.di-Gewerkschafter sieht vor allem den Generalverdacht als "Problem, dass den Mitarbeitern von vornherein das entgegengebrachte Vertrauen abspricht". Dies zerstöre die Motivation und Arbeitsmoral. Obwohl Observationen von Mitarbeitern bei begründetem Verdacht durchaus berechtigt sind, legen die Detektiv-Protokolle laut dem Bericht den Eindruck nahe, sie würden in den meisten Fällen nur als Zweck dienen, Gründe zu finden, um eine Kündigung auszusprechen. Der Fall der Überwachung eines Kölner Piloten erschreckt selbst Hartgesottene wie den Datenschützer Peter Schaar. In den Protokollen heißt es demnach: "Es ist Licht im Haus, und erkennbar sitzt die Familie gerade beim Abendessen. In der Zielstraße ist eine Observation mit Sichtkontakt unmöglich. Daher ist lediglich die einzige Zufahrt zu der Wohnadresse unter Beobachtung zu halten." Hinweise auf Detektiv-Einsätze lassen sich aber auch bei dem Raststättenbetreiber Tank & Rast, bei Air Berlin und sogar bei kleinen Familienbetrieben wie Apotheken finden. (Ende)
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