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pte20090513035 Umwelt/Energie, Kultur/Lifestyle
Ohrwürmer lassen hungrige Kinder im Stich
Mütter suchen Duftstoffe starker Jungtiere und pflegen nur diese
Ohrwurmweibchen bei ihrer Brut: Nur die stärksten werden versorgt (Foto: Universität Basel)
Ohrwurmweibchen bei ihrer Brut: Nur die stärksten werden versorgt (Foto: Universität Basel)

Basel (pte035/13.05.2009/13:55) - Ohrwürmer-Mütter bevorzugen ihre gesündesten Jungen und füttern diese mehr als den hungrigen Nachwuchs. Zu diesem Schluss kommen Evolutionsbiologen der Universität Basel http://evolution.unibas.ch im Wissenschaftsmagazin Proceedings. Sie entschlüsselten chemische Signale, mit denen Jungtiere ihre Mütter um Essen bitten, und untersuchten im Labor die Reaktion auf die Muttertiere. Dabei schauen die Mütter mehr auf Qualität als auf die Notwendigkeit ihres Nachwuchses, berichtet die Studienleiterin Flore Mas.

In einem Experiment wurden Duftextrakte von jungen Ohrwürmern im Larvenstadium hergestellt, die sich in guter Kondition befanden. Ebenso verfuhr man mit Ohrwürmern, die man längere Zeit hungern ließ. Nachdem man Ohrwurmmütter einem dieser beiden Duftstoffe ausgesetzt hatte, ließ man sie auf Nahrungssuche gehen, ehe sie in ihr Nest zurückkehrten und ihre Jungen versorgten. Zu dieser Fütterung würgen Mütter die aufgenommene Nahrung hervor. Aufschluss über das Sozialverhalten ergab die Detailbeobachtung. Dazu wogen die Forscher die zur Verfügung gestellte Nahrung vor und nach der Aufnahme durch die Mutter ab. Außerdem verfolgten sie im Bauch der Jungtiere den weiteren Verlauf der Nahrung, da man diese grün gefärbt hatte.

Die Ohrwurm-Mütter hatten sich besonders bei der Nahrungssammlung angestrengt, wenn sie zuvor Duftstoffen der wohlgenährten Jungen aufgenommen hatten. Der Geruch von hungrigem oder schwachem Nachwuchs löste deutlich geringere Aktivität aus, zudem widmeten die Weibchen den schwachen Jungtieren nach der Rückkehr ins Nest viel weniger Fütterungszeit. "Diese unerwartete Reaktion ist durch die hohe Sterblichkeit des Nachwuchses erklärbar. Von etwa 50 Jungtieren eines Geleges überleben im Labor nur die Hälfte, in der Natur wahrscheinlich viel weniger. Für eine stabile Population reicht es jedoch, dass zwei Tiere überleben. Da zahlt es sich aus, die elterliche Investition auf den wohlgenährten Nachwuchs zu konzentrieren", erklärt Mathias Kölliker, Gruppenleiter der Forschung, gegenüber pressetext.

Hauptziel der Ohrwurm-Forschung ist laut Kölliker die Suche nach Regeln sozialen Verhaltens in Gemeinschaften sowie die Verbesserung von Voraussagen, die auf der Evolutionstheorie basieren. "Das Verhalten der Weibchen, die viel Zeit, Energie und Ressourcen in der Zucht ihrer Jungen verwenden, ist altruistisch. Dennoch kommt es zu Konflikten, da die Jungen mehr einfordern, als ihnen die Eltern zugestehen." Die Arbeit bleibt an der Mutter hängen, da das Ohrwurm-Männchen bereits vor dem Schlüpfen der Jungen stirbt.

Auch wenn die im Experiment beobachtete Kommunikation als Konfliktlösung Ohwurm-spezifisch sei, könne man die dahinterstehenden Probleme der Ohrwurmfamilie auch mit anderen Lebewesen vergleichen. Ähnliches Verhalten habe man erst bei wenigen Tieren festgestellt. "Bisher ist bekannt, dass Vogeleltern besonders die Jungen füttern, deren Haut unter den Federn UV-Strahlen stärker reflektiert. Das ist ein Hinweis auf ein funktionierendes Immunsystem", so der Basler Evolutionsbiologe gegenüber pressetext.

(Ende)

Aussender: pressetext.schweiz
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
Tel.: +43-1-81140-316
E-Mail:
pressetext.schweiz
   
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