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Di, 28.04.2009 13:45
pte20090428034 Medien/Kommunikation, Politik/Recht
EU macht Weg für Product Placement im TV frei
Deutsche Bundesländer vor Stimmungswandel
Brüssel (pte034/28.04.2009/13:45) - In der deutschen Rundfunkpolitik zeichnet sich ein Stimmungswandel ab. Während die zuständigen Länder Ende 2007 noch parteiübergreifend gegen eine neue EU-Fernsehrichtlinie stimmten, die den Weg für Product Placement im europäischen Fernsehen freimachen sollte, ist nun offenbar das Gegenteil der Fall. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wollen die Bundesländer die Brüsseler Fernsehrichtlinie im 2009 anstehenden 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag implementieren und in deutsches Rundfunkrecht umsetzen. Damit eröffnet sich den Sendern eine neue Einnahmequelle, die mit dem Begriff "Schleichwerbung" weithin negativ konnotiert ist. Die Lockerung der Rundfunkregeln werde ausschließlich aufgrund der herrschenden Werbekrise in Betracht gezogen, meinen Kritiker. "Die mögliche Richtlinienänderung muss nicht zwingend in Zusammenhang mit der Werbekrise gebracht werden. Diese mag zwar einen zusätzlichen Impuls gegeben haben, ist jedoch nicht das Kernthema. Schließlich gibt es auch eine Zeit nach der Wirtschaftskrise", meint Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) http://www.zaw.de , im Gespräch mit pressetext. Für den Experten ist es ein Grundsatz, der werbenden Wirtschaft soviel Freiheit wie möglich einzuräumen. Dennoch bezieht der ZAW zwischen den unterschiedlichen Positionen eine diplomatische Stellung. "Einerseits ist das Privatfernsehen natürlich sehr stark an einer Lockerung zugunsten von Product Placement im TV interessiert. Andererseits erkennen etwa Printmedien darin einen Weg zur Öffnung für Schleichwerbung", unterstreicht Nickel. Während die Marketing-Methode in US-amerikanischen Film- und Fernsehproduktionen längst zum Usus gehört und bis zu zehn Prozent der anfallenden Produktionskosten decken soll, bleibt Product Placement hierzulande trotz der überarbeiteten EU-Richtlinie prinzipiell verboten. Allerdings sieht diese eine Lockerung bei Kino- und Fernsehfilmen, Serien, Sportsendungen sowie leichten Unterhaltungssendungen vor und deckt damit den größten Programmteil privater Anbieter ab. Zeitungs- und Zeitschriftenverleger erkennen darin nicht nur eine stärkere Konkurrenz im Kampf um Werbemittel. Darüber hinaus befürchten sie ähnliche Anforderungen vonseiten der Werbetreibenden an ihre Titel. Product Placement durchbreche "die Grenze zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung. Es steht daher unter dem Generalverdacht, Zuschauer zu manipulieren." Bei der Debatte handle es sich also vielmehr um eine ethische als um eine wirtschaftliche Frage. Angesichts der EU-Transparenzvorgaben zur Kennzeichnung ist eine Aufweichung des Gebots der Trennung von Werbung und Programm nach Ansicht des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) jedoch ausgeschlossen. Wie der Evangelische Pressedienst berichtet, begrüßt der VPRT die EU-Richtlinie und plädiert für eine "1:1-Umsetzung" der Vorgaben. Im Gegensatz zu den deutschen Bundesländern zeigen sich andere EU-Mitgliedsländer der Brüsseler Fernsehrichtlinie gegenüber deutlich skeptischer. Österreich und Großbritannien beispielsweise lehnen die Teilzulassung von Product Placement nach wie vor ab. Verschiedenen Medienberichten zufolge ist für den Österreichischen Rundfunk etwa ein Schleichwerbeverbot vorgesehen, während Großbritannien nicht von den derzeit gültigen Bestimmungen abweichen will. (Ende)
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