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Mi, 23.05.2012
pte20090422027 Umwelt/Energie, Forschung/Technologie
Nachtsicht-Mechanismus bei Tieren entschlüsselt
Spezielle DNA-Struktur im Auge verstärkt einfallendes Licht
München (pte027/22.04.2009/13:55) - Die Fähigkeit nachtaktiver Säugetiere, auch in der Dunkelheit zu sehen, beruht auf der speziellen Anordnung der Erbinformation in den Lichtsinneszellen ihrer Augen. Das berichten Humangenetiker der Universität München, in Kooperation mit Forschern aus Frankfurt, Großbritannien und Kanada. Sie untersuchten, wie die Zellkerne in den Stäbchen bei vierzig verschiedenen Tieren organisiert sind, darunter Kuh, Pferd, Esel, Katze, Maus, Kaninchen und Affen. Die Sehzellen der nachtaktiver Arten bündeln das Licht statt es zu streuen, wofür die Zellkerne eine entscheidende Rolle spielen. Es komme nicht auf die von ihnen enthaltene Erbinformation an, sondern auf die Art deren Bündelung, so die Forscher im Fachmagazin Cell http://www.cell.com . Was die Augen nachtaktiver Säuger von denen anderer Tiere unterscheidet, ist die Architektur der Zellkerne ihrer Sehstäbchen. Deren DNA ist bei allen Tieren platzsparend um Proteine namens Histone gewickelt und bildet somit einen sogenannten Chromatin-Komplex. Im Unterschied zu den tagesaktiven Tieren sind bei nachtaktiven Säugern die gerade benötigten Chromatine im äußeren Bereich des Zellkerns angeordnet statt innen. Die dichter gewickelten, nicht benötigten Abschnitte liegen im inneren Bereich des Zellkerns. Ihre gesteigerte Fähigkeit zur Lichtbrechung machen sie zu einer Mikrolinse, die das Licht bündelt. Durch die Wirkung mehrerer übereinander liegender Zellkerne wird das Licht fast ohne Streuverluste in Richtung der lichtempfindlichen Pigmente weitergeleitet. Somit steigert sich die Lichtausbeute und das Sehen wird trotz Dunkelheit möglich. "Die wesentliche Erkenntnis dieser Forschung ist, dass Säugetiere die Architektur ihrer Zellkerne an ihren Lebensstil anpassen", betont Boris Joffe vom Biozentrum Martinsried der Universität München http://humangenetik.bio.lmu.de im pressetext-Interview. Säugetiere hätten es im Lauf der Evolution geschafft, anders als Reptilien auch nachts eine konstante Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. "Dass sich dabei die Anordnung der DNA in den Rezeptorenzellen so entwickelt hat, ist kein Zufall. Aufgrund der Wichtigkeit ihrer Sehstäbchen sehen sie vor allem Schwarz-Weiß, während das Farbsehen, das über die Zapfen verläuft, wenig ausgeprägt ist." Mäuse würden etwa aus diesem Grund das Tageslicht scheuen und ihre Aktivitäten lieber auf die Dunkelheit verlagern, so der Münchner Humangenetiker. (Ende)
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