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Do, 09.02.2012
pte20090422002 Auto/Verkehr, Politik/Recht
Tibet ist unwirtlichster Ort der Erde
Neue Weltkarte zeigt Reisedauer zur nächsten Stadt
Ispra (pte002/22.04.2009/06:10) - Wie schlecht erreichbar eine Region ist, entscheidet über den Grad ihrer wirtschaftlichen Benachteiligung. Zu diesem Schluss kommen Geografen an der Forschungsstelle der EU im italienischen Ispra http://ec.europa.eu/dgs/jrc , die im Auftrag der europäischen Kommission sowie der Weltbank nach Kriterien für Verstädterung gesucht haben. Die von ihnen erstellten Karten zeigen, wie die Verteilung von Menschen ihren Zugang zu Ressourcen wie Bildung und medizinische Versorgung bestimmt. Andererseits werde deutlich, dass wild lebende Tiere immer mehr in unwirtliche Gegenden abgedrängt werden, berichtet das Wissenschaftsmagazin NewScientist. Das unzugänglichste Gebiet der Erde ist demnach das tibetische Plateau, das neben einer hohen Lage auch eine äußerst unwirtliche Landschaft aufweist. "Von vielen Stellen Tibets braucht man drei Wochen zu den Städten Lhasa oder Korla, nämlich zwanzig Tage zu Fuß und einen Tag im Auto", berichtet Studienautor Andy Nelson. Viele einsame Gebiete der Erde sind der Zivilisation hingegen näher als allgemein angenommen. Im Amazonas-Gebiet etwa ist aufgrund des Netzwerkes an Flüssen und der steigenden Anzahl an Straßen nur mehr ein Fünftel der Landfläche weiter als zwei Tagesreisen von Städten entfernt, wodurch der Grad der Erreichbarkeit derjenigen der kanadischen Provinz Quebec entspricht. Von über 90 Prozent der Erdoberfläche kann eine Stadt hingegen in weniger als zwei Tagen erreicht werden. Grundlage der Landkarte sind Berechnungen, wie lange es dauern würde, um von einem beliebigen Ort auf dem Land- oder Seeweg zur nächsten Stadt mit über 50.000 Einwohnern zu gelangen. Dabei werden Informationen über die Beschaffenheit der Landschaft und der Zugang zum Strassen-, Schienen- und Flussnetz ebenso berücksichtigt wie Höhe und Neigung eines Geländes oder verlangsamende Faktoren wie der Grenzübertritt. Projektleiter Alan Belward hofft durch eine Wiederholung der Untersuchung zu zeigen, wie neu erstarkende Wirtschaftsregionen das Gesicht der Welt verändern. "Der wahre Wert wird sich wieder auf der Landkarte zeigen." Die Karten der Forscher zeigen auch die Struktur der Verkehrswege und erlauben Rückschlüsse auf wirtschaftliche Verbindungen. Die Schifffahrt etwa ist nirgendwo so intensiv wie auf dem Ärmelkanal, im Mittelmeer und im südchinesische Meer. "Schon allein durch die Schifffahrtsrouten zeigt sich Chinas florierender Exporthandel", so die Geografen. Die Meere der südlichen Hemisphäre sowie rund um den Nordpol sind hingegen nur wenig befahren. Nur wenige Länder verfügen über ein gut ausgebautes Schienennetz. "Anders als bei Straßen, für die schon jede Form niedergedrückter Erde reichen, brauchen Schienen Facharbeiter und hohe finanzielle Aufwände. Daher gibt es sie nur in den reichen Nationen Europas, in den USA, Australien und Japan", erklären die Forscher. Indien, Argentinien und Teile Afrikas zeigen hingegen Gleissysteme, die stark von der Kolonialherrschaft geprägt sind. (Ende)
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