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pte20090408031 Bildung/Karriere, Kultur/Lifestyle
Zweite Fremdsprache motiviert Kinder
Lernforscherin: "Schule soll Migrantensprachen mehr berücksichtigen"
In der Schweiz lehrt man schon in der Grundschule zwei Fremdsprachen (Foto: pixelio.de/Weiss)
In der Schweiz lehrt man schon in der Grundschule zwei Fremdsprachen (Foto: pixelio.de/Weiss)

Luzern (pte031/08.04.2009/12:40) - Das Erlernen einer zweiten Fremdsprache bedeutet für Grundschulkinder eher Förderung als Überforderung. Zu diesem Schluss kommt die bisher größte Studie zum Tertiärsprachenerwerb im deutschen Sprachraum, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz" (NFP 56) durchgeführt wurde. Kinder profitieren auch im Grundschulalter beim Erlernen der zweiten Fremdsprache von der ersten, deshalb fällt Schweizer Primarschülern etwa das Französischlernen leichter, wenn sie zuvor schon Englisch gelernt haben, so das Ergebnis der Untersuchung.

Ein Schwerpunkt der Untersuchung war die Frage, was Kinder zum Fremdsprachenlernen motiviert. "In erster Linie ist es das positive Selbstbild. Je mehr ich mir selbst zutraue, desto besser bin ich", berichtet die Studienleiterin Andrea Haenni Hoti von der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern http://www.luzern.phz.ch im pressetext-Interview. Wesentlich sei auch die Einstellung der Kinder gegenüber Personen und Ländern, die in der jeweiligen Fremdsprache sprechen. "Wie gerne man etwa Frankreich hat, spiegelt sich in der allgemeinen Haltung zum Unterrichtsfach Französisch wider." Die Auffassung, dass Mädchen tendenziell eher als Knaben zum Sprachenlernen bereit sind, bestätigte sich, gleiches gilt für mehrsprachige Familien.

Migrantenkinder profitieren vor allem im Französisch-Hören von ihren zusätzlichen Vorkenntnissen. Die Forscher schließen daraus, dass neben Deutsch und Englisch auch Migrationssprachen für das Erlernen weiterer Sprachen eine wichtige Ressource darstellen. "Ein kurdischer Jungen sagte etwa, dass ihm das Kurdisch beim Englischlernen und das Türkisch beim Französischlernen hilft" so die Lernforscherin. Dass die Mehrsprachigkeit in Migrantenfamilien das weitere Sprachenlernen begünstigt, wertet Haenni Hoti als großes Potenzial, das bisher kaum genützt werde. "Sprachliche Vorkenntnisse sollten beim Lernen weiterer Sprachen stärker berücksichtigt werden, um Synergien zwischen den verschiedenen Sprachfächern nutzbar zu machen", empfiehlt die Forscherin.

Durch stärkere Individualisierung und Differenzierung könnte erreicht werden, dass sich weniger Kinder im Fremdsprachenunterricht über- oder unterfordert fühlten. Denn jedes vierte Kind gab an, dass es sich durch den Fremdsprachenunterricht überfordert fühlt, ebenso häufig wurde allerdings eine Unterforderung festgestellt. "Das Problem besteht in den vorhandenen Leistungsunterschieden und ist ziemlich sicher nicht auf Sprachfächer beschränkt. Gleichzeitig gaben 85 Prozent der Kinder an, Spaß am Englischunterricht zu empfinden, bei Französisch waren es noch 69 Prozent", so Haenni Hoti. Das verdeutliche, dass zwei Fremdsprachen das Wohlbefinden und die Motivation der Kinder im Unterricht nicht senke.

Seit 2004 gibt es in der Schweiz die Empfehlung, Grundschulkinder außer der Muttersprache eine weitere Landessprache sowie Englisch oder eine weitere Landessprache zu unterrichten. Seither lernen Kinder in der Zentralschweiz ab der dritten Klasse Englisch und ab der fünften Französisch. Um diese Maßnahme zu evaluieren, wurden drei Jahre lang 30 Primarschulklassen in der Zentralschweiz nach Hör- und Leseverständnis und mündlicher Interaktion in den Fremdsprachen untersucht sowie nach den deutschen Lesefähigkeiten. Die Ergebnisse verglich man mit denen von 20 Schulklassen des Kantons Luzern, wo das neue System noch nicht umgesetzt war. Lehrer- und Schülerbefragungen ergänzten die Erhebung.

(Ende)

Aussender: pressetext.schweiz
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
Tel.: +43-1-81140-316
E-Mail:
pressetext.schweiz
   
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