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pte20090307003 Handel/Dienstleistungen, Politik/Recht
Schwere Zeiten für Supermarkt-Kassiererinnen
Frauen im Handel tragen Druck von Kosten und Öffnungszeiten
Supermarkt: Arbeit unter hohem Druck (Foto: pixelio.de/Haindl)
Supermarkt: Arbeit unter hohem Druck (Foto: pixelio.de/Haindl)

Wien (pte003/07.03.2009/06:05) - Im Handel beschäftigte Frauen befinden sich häufig in prekärer Lebenssituation. Zu diesem Schluss kommen Vertreter der Gewerkschaften und des Handels in einer Podiumsdiskussion der Allianz für den freien Sonntag http://www.freiersonntag.at in Wien anlässlich des internationalen Frauentags. "Die Arbeitsbedingungen im Handel haben sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Gleichzeitig ist der überwiegende Teil der Handelsbeschäftigten weiblich", sagt Ilse Fetik, Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten http://www.gpa-djp.at , im pressetext-Interview. Die von der Allianz präsentierten Zahlen belegen dies: Seit dem Jahr 2000 nahm Teilzeitarbeit um 48 Prozent zu, wobei fast neun von zehn der Betroffenen Frauen sind. Die Statistik für geringfügige Beschäftigung zeigt gleiche Trends. Weiters sank auch Zufriedenheit im Beruf, während die Zahl der Krankheitsmeldungen stieg.

"Viele Teilzeitangestellte im Handel arbeiten auf Abruf oder in zerrissenen Blöcken, etwa zwischen 9 und 12 Uhr und dann wieder von 16 bis 18 Uhr. Was sollen sie in der Zwischenzeit machen?" verdeutlicht Fetik das Problem. Arbeit außerhalb der Öffnungszeiten bleibe in vielen Fällen unbezahlt, ebenso häufig umgehe der Handel das Gesetz, dass Angestellten mindestens jedes zweite Wochenende frei zu geben ist. Das schränke die Erholung ein, mache Kinderbetreuung schwierig und belaste das Familienleben. "Die Folge ist nicht nur geringe Zufriedenheit im Beruf, sondern mehr Stress und physische und psychische Krankheiten unter den Handelsangestellten", so die Gewerkschaftsvertreterin. Das führe jährlich zu Milliardenkosten, rechne man die Entgeltfortzahlung in Krankenstandstagen, den Produktivitätsnachlass sowie den Behandlungsaufwand zusammen. "Eine der Hauptursachen dieses Zustands sind die gelockerten Schutzbestimmungen für Arbeitnehmer", so Fetik.

"Die Preispolitik der Diskontläden stellt den Einzelhandel zunehmend unter Kostendruck, der besonders zu Personaleinsparungen führt", erklärt Johannes Jetschgo, Sprecher des Lebensmittelhandels der Wirtschaftskammer Oberösterreich http://www.wko.at/ooe , gegenüber pressetext. Das führe im filialisierten Einzelhandel zu fragwürdigen Arbeitsbedingungen. "Die Filialleiter bieten ihren Angestellten Teilzeitstellen oder Tagesarbeitszeiten mit Unterbrechungen für sehr geringe Löhne. Viele Arbeitssuchende akzeptieren jedoch diese Bedingungen, da es keine Alternativen gibt." Beim selbstständigen Einzelhandel, der vor allem in Landregionen verbreitet ist, seien andere Vorgangsweisen möglich. "Selbstständige Geschäftsführer bemühen sich, ihre Mitarbeiter zu halten. Das erlaubt mitunter auch eine gegenseitige Abstimmung der Arbeitszeiten unter den Mitarbeitern, die auf die Notwendigkeiten der Einzelnen Rücksicht nimmt." Im Filialbetrieb seien solche Vorgangsweisen nicht üblich, da man sich durch starre Strukturen die Verwaltung erleichtern wolle, so der Vertreter des Lebensmittelhandels.

Zur Verschärfung dieser Situation führt die Ausweitung der Öffnungszeiten an den Abendstunden und am Wochenende. "Derzeit dürfen Geschäfte innerhalb eines vorgegebenen Rahmens bereits 72 Wochenstunden öffnen. Während die meisten selbstständigen Händler dieses Ausmaß kaum erreichen können, drängen Konzerne wie Ikea oder Baumax auf eine weitere Ausdehnung auf 96 Stunden sowie auf den Fall des freien Sonntags", so Jetschgo. Bis zu neunzig Prozent der Händler seien jedoch gegen jede weitere Ausdehnung der Rahmenzeiten, da trotz höherem Aufwand kein zusätzlicher Umsatz zu erwarten sei. Fetik kritisiert in diesem Zusammenhang auch gesetzliche Ausnahmeregelungen. "Da Sonntagsöffnung erst auf Bahnhöfen möglich ist, macht man diese eben zu Einkaufstempeln, was den Druck auf die Einzelhändler weiter erhöht", so die Gewerkschafterin. Übersehen werde oft, dass sich Sonntags- und Nachtarbeit im Handel auch auf andere Branchen negativ auswirke. "Wer putzt am Sonntag die Geschäfte? Und wer bringt die Arbeiter nach Hause?" Sonntagsarbeit hält Fetik nicht grundsätzlich für schlecht, doch solle sie sich auf notwendige Bereiche beschränken, wie etwa auf Krankenhäusern.

In die Pflicht zu nehmen seien neben dem Gesetzgeber auch der Konsument. "Die Endverbraucher hätten Macht, durch ihr Einkaufsverhalten die Situation zu ändern. Es gibt zwar Menschen, die am Samstagnachmittag und auch zu späten Abendstunden bewusst auf Einkäufe verzichten, doch viele tun dies nicht", betont Fetik. Jetschgo bemerkt, dass Konsumentenbefragungen stark von der jeweiligen Intention geprägt seien. "Viele Konsumenten stimmen der Aussage durchaus zu, dass sie gerne gelegentlich um 22 Uhr einkaufen würden. Fragt man sie jedoch, ob sie es für notwendig halten, sagen sie nein." Jede weitere Ausweitung der Öffnungszeiten gehe zulasten der Arbeitnehmer, so der Wirtschaftskammer-Sprecher abschließend zu pressetext.

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Johannes Pernsteiner
Tel.: +43-1-81140-316
E-Mail:
pressetext.austria
   
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