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pte20081128015 Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
Großbritannien: Verlängerte Gnadenfrist für Kreditkartenkunden
Schuldnerberatung in Kombination mit 60-Tage-Aufschub vorgesehen
London/New York/Wien (pte015/28.11.2008/12:05) - Die britische Regierung hat ihre Bürgschaft gegenüber Kreditkartenhäusern ausgeweitet und stimmt damit dem Vorschlag zu, notleidenden Kreditnehmern einen Aufschub von 60 Tagen zur Begleichung der ausstehenden Beträge einzuräumen. Auf diese Weise strebt London eine Beruhigung der immens verunsicherten Finanzmärkte an. Wie das Wall Street Journal heute, Freitag, unter Berufung auf Regierungskreise schreibt, kommt das aktuelle Zugeständnis nicht überraschend. Erst vor wenigen Tagen hatte das Parlament ein Rettungspaket im Ausmaß von 20 Mrd. Pfund (23,86 Mrd. Euro) in Aussicht gestellt. Damit soll vor allem die angeschlagene Wirtschaft stimuliert und Besitzern von Kreditkarten genügend Zeit gegeben werden, um ihre Verbindlichkeiten neu zu strukturieren. Im Detail sieht die Unterstützung vor, dass Schuldner den Anspruch haben, sich zur Lösung ihrer finanziellen Schwierigkeiten an professionell arbeitende Non-Profit-Organisationen wenden zu können. Kreditkartenkonzerne haben im Gegenzug angekündigt, Inkassoforderungen in einer Erstmaßnahme um 30 Tage aufzuschieben. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Frist um einen weiteren Monat verlängert wird, sofern die involvierte Schuldnerberatung den Erfolg in Aussicht stellt. "Würde man allein die 60 Tage gewähren, wäre das nicht mehr und nicht weniger als ein Zeitgewinn. Dass die Kunden Schulden haben, wissen sie vor bzw. nach den 60 Tagen auch so. Bietet man den Schuldnern hingegen zusätzlich die Möglichkeit zu einer professionellen Beratung, dann hört sich das relativ konstruktiv an", erläutert Hans-Peter Burghof, Lehrstuhlinhaber für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung an der Universität Hohenheim http://www.uni-hohenheim.de , im Gespräch mit pressetext. Diese Zugeständnisse kamen zustande, nachdem Wirtschaftsminister Peter Mandelson und Gareth Thomas vom Ministerium für Konsumentenangelegenheiten mit Vertretern von zwölf Kreditkartenunternehmen sowie deren Handelsorganisationen in einem Krisengespräch am Mittwoch zusammentrafen. Die Regierung will mit aller Macht einen Zusammenbruch des Kreditkartensystems verhindern. Im Zuge der Finanzkrise befürchten Fachleute bereits ein Platzen der Kreditkartenblase (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=081119031). Da der Staat bereits Anteile an drei der größten Banken besitzt und zwei Hypothekenfinanzierer verstaatlichen musste, scheint man nun nach wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu suchen, um das von Analysten vorhergesagte Worst-Case-Szenario zu verhindern. "Die Maßnahmen scheinen überlegt, doch frage ich mich, woher die Beratungsressourcen für die Schuldner kommen sollen", unterstreicht Burghof auf Nachfrage von pressetext. Vorrangiges Ziel der Regierung ist es, die Banken von ihrem restriktiven Kreditvergabekurs abzubringen, damit auch weiterhin Investitionsvorhaben umgesetzt und eine Kreditklemme vermieden werden kann. Erst jüngst wurde heftig kritisiert, dass die Bank of England Zinsen für Verbraucherkredite nicht senken will. "Es ist sinnvoll, die Kunden gegen die Zinswillkür der Finanzdienstleister zu schützen", verdeutlicht Burghof weiter. Vertreten werden sowohl die Kreditkartenfirmen als auch die britische Regierung in der britischen Handelsorganisation APACS http://www.apacs.org.uk . Als Ergebnis des Treffens Mitte dieser Woche habe man sich auf "faire Prinzipien" geeinigt, die sich unter anderem auf das Rücksetzen von Zinsen für Verbraucherkredite sowie Kartenservices beziehen. Kritisiert wurde von Kundenseite, dass Kreditkartenfirmen ohne Vorwarnung die Zinsen um bis zu zehn Prozent anheben. Die neu verabschiedeten Regeln sehen vor, dass Kunden rechtzeitig über Zinserhöhungen informiert werden müssen. Auch die Häufigkeit der Zinsanhebungen soll angepasst werden. (Ende)
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