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Sa, 11.02.2012
pte20081018003 Kultur/Lifestyle
Deutsche Seele: Familie ersetzt Kirche
BAT-Studie: Aus den Gottsuchern sind Sinnsucher geworden
Hamburg (pte003/18.10.2008/06:05) - Einer neuen Studie der BAT Stiftung für Zukunftsfragen http://www.bat.de zufolge, verliert die Kirche in Deutschland immer mehr an Zulauf. Obwohl jeden Sonntag nachweislich mehr Bundesbürger in die Kirche als in das Fußballstadion gehen, gibt jeder dritte Deutsche an, konfessionslos zu sein. Nur für knapp ein Viertel der Bundesbürger (24 Prozent) ist die Religion ein wichtiger Teil der Lebensqualität. In Italien liegen diese Zahlen bei 48 Prozent. "Religiosität und Rituale verwandeln sich immer mehr in persönliche Betroffenheits- und Ergriffenheitsgefühle bei Zeitereignissen wie Tschernobyl und 11. September, Klimawandel und Bankenkrise. Auf der Strecke bleiben Beten und Gott danken, Kirchenbesuch und Sonntagsruhe", kommt Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der BAT Stiftung zum Schluss. Die Studie kommt auch zum Schluss, dass Religion etwas ganz Persönliches geworden ist. Den Deutschen ist offenbar wichtig, dass jeder die Religion haben soll, die er will. Zumindest geben das 93 Prozent der Bevölkerung an. "Religionslos muss nicht sinnlos heißen. Aus einer kirchlich institutionalisierten wird eher eine individuell privatisierte Sinngebung des Lebens", meint Opaschowski. "Die Menschen können nicht anders, als im Leben an etwas Unantastbares und Unangreifbares zu glauben, um den Halt und Sinn des Lebens nicht zu verlieren. Sie glauben vor allem an die Familie, weil sie ohne das Gefühl der Geborgenheit nicht leben können." Die Beständigkeit des Lebens spielt eine große Rolle, denn die Stabilität der Familie (71 Prozent), die dauerhafte Partnerschaft (52 Prozent) und die lebenslange Begleitung der Kinder (55 Prozent) sind den meisten der insgesamt mehr als 1.000 Befragten sehr wichtig. Was am Ende eines langen Lebens zählt, ist das sichere Haus der Familie, sind Partner und Kinder als Garanten des Glücks und Lebenssinns. Und jeder zweite Bundesbürger baut zusätzlich auf die eigenen Freunde (49 Prozent), vertraut ihnen und ihrer Verlässlichkeit. Fast drei Viertel der Befragten (71 Prozent) empfindet die Familie als "Glaubensgemeinschaft", während die Zugehörigkeit zur Kirche beinahe in Bedeutungslosigkeit versinkt. Lediglich Singles stehen der Familie etwas reservierter gegenüber, ohne dass die Kirche diese Bedeutungslosigkeit ausgleichen könnte. Die "heilige Familie" überlebe offensichtlich alle Krisen und Zeitgeistströmungen, subsumiert Opaschowski. Die Familie habe etwas Unantastbares. "Statt Wiederkehr der Religion heißt es eher Renaissance der Familie." Die Familie sei die neue Glaubensgemeinschaft der Deutschen. "Aus den Gottsuchern sind Sinnsucher geworden." Vielleicht sei Religiosität heute nur ein anderes Wort für Humanität, schließen die Forscher der BAT Stiftung für Zukunftsfragen. Die Befragung weise nach, dass hochreligiöse Menschen in besonderem Maße geprägt sind von der Ehrfurcht vor dem Leben, der Ehrfurcht vor der Natur und der Achtung vor der Menschenwürde. "Hochreligiös" sind Menschen, die an Gott glauben, regelmäßig beten, einer Kirche angehören und sich selbst als religiös bezeichnen. Wer hingegen gott- und religionslos lebt, legt deutlich weniger Wert auf Natur und Menschenwürde, Verlässlichkeit und Toleranz. Diese Werte sind aber der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft in Zukunft zusammenhält. "Es muss daher ein fundamentales Interesse von Gesellschaft und Politik sein, dass Religion auch im traditionellen Sinne weiter gepflegt und im Alltag gelebt wird, damit die Humanität nicht verkümmert oder stirbt." Ohne Religion sind Kultur und sozialer Zusammenhalt einer Gesellschaft auf Dauer gefährdet. Religion stärke das Gemeinschaftsgefühl, so Opaschowski. (Ende)
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