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pte20081010029 Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
Kursverluste: Wiener Börse zieht die Reißleine
Märkte auf Talfahrt - Handel bis heute 12:00 Uhr ausgesetzt
Wien (pte029/10.10.2008/13:58) - Wie vor zwei Tagen die Moskauer Börse, musste heute, Freitag, auch die Wiener Börse ihren Handel kurzzeitig aussetzen. Der Handel wurde erst ab 12:00 Uhr wieder aufgenommen. Die Entscheidung wurde in Abstimmung mit der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA getroffen. Damit hat die Wiener Börse ihre Handelsregeln mit sofortiger Wirkung geändert. Bei Kursänderungen in einem Finanzinstrument von mehr als zehn Prozent kann der Handel in diesem Wertpapier befristet oder sogar bis auf Widerruf ausgesetzt werden. Von dieser Option hat man entsprechend der Änderungen heute das erste Mal Gebrauch gemacht. Zudem behalten sich die Wiener das Recht vor, Short Selling, also der Leerverkauf, bei dem sich Verkäufer erhoffen, vom erwarteten Kursverfall eines Wertpapiers zu profitieren, in einzelnen oder allen gehandelten Wertpapieren sofort ebenfalls zu befristen oder bis auf Widerruf zu untersagen (pressetext berichtete: http://pressetext.at/pte.mc?pte=080920002). Dennoch kommt die nun durchgeführte Aussetzung des Handels überraschend. Einen solchen drastischen Schritt hatte Wiener-Börse-Chef Heinrich Schaller noch vor wenigen Tagen ausgeschlossen. Der Manager betonte dabei, dass ein solches Vorgehen nur "im europäischen Gleichschritt möglich" sei. Bei der Wiener Börse zeigt man sich auf Nachfrage von pressetext gelassen: "Mit dem vollständigen Verbieten des Short Sellings stellen wir uns auf die Marktgegebenheiten ein und folgen damit einem internationalen Trend", unterstreicht Wiener-Börse-Sprecherin Beatrix Exinger. Ob sich das Aussetzen als hilfreiche Strategie entpuppt, bleibt abzuwarten, da der ATX sofort nach Wiederaufnahme mit über neun Prozent im Minus notierte. Ob die Aussetzung des Handels auch Auswirkungen auf das Jahresgeschäft der Wiener Börse haben wird, sei "derzeit seriös nicht abzuschätzen", sagt Exinger im Gespräch mit pressetext. "Das aktuelle Vorgehen ist nicht im Alleingang entschieden worden, sondern in enger Abstimmung mit der FMA", so Exinger weiter. Bereits am Montag hatte man den vorläufig größten Einbruch des ATX verzeichnen müssen - dieser schloss mit über acht Prozent im Minus. Der globale Börsencrash zieht indes immer weitere Kreise. Der Nikkei notierte mit 9,6 Prozent im Minus bei 8.276 Punkten. Der Dow Jones rutschte unter die 9.000-Punkte-Marke. Bereits vor zwei Tagen sah sich die Moskauer Börse zu einem ähnlichen Handeln veranlasst. So wurde der Aktienindex Micex bis heute vom Handel ausgesetzt. Hintergrund für die Notmaßnahme war der Absturz des Indexes. Bereits in den ersten 35 Minuten fiel das Börsenbarometer um 14,35 Prozent. Die Wiener Börse hat da im Vergleich noch "besser" abgeschnitten. Trotzdem schloss der ATX gestern bereits den vierten Tag in Folge mit starken Verlusten und fiel um 4,1 Prozent auf 2.161,36 Einheiten und notiert damit auf dem tiefsten Stand seit November 2004. Ein Blick auf die Jahresbilanz des Indexes zeigt den Negativtrend deutlich. Seit Jahresbeginn verlor der ATX bereits 52 Prozent an Wert. Allein seit Beginn der Handelswoche rasselte der Index um 23 Prozent in den Keller. (Ende)
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