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pte20080725004 Medien/Kommunikation, Sport/Events
Olympia-Maskottchen stoßen auf Ablehnung
"Fuwa" bei 40 Prozent der Chinesen unbeliebt
Fuwa leiden an Liebesentzug (Foto: en.beijing2008.cn)
Fuwa leiden an Liebesentzug (Foto: en.beijing2008.cn)

Peking/Wien (pte004/25.07.2008/06:10) - Die fünf aktuellen Olympia-Maskottchen haben mit einem Imageproblem zu kämpfen. Die "Fuwa" bzw. zu Beginn "Friendlies" genannten Figuren drohen ähnlich wie viele ihrer Vorgänger als Flop in die Geschichte einzugehen. Vor allem in China selbst sind die Maskottchen derzeit nicht besonders beliebt. 40 Prozent der Bevölkerung begegnen ihnen mit Ablehnung, wie eine Nielsen-Umfrage Ende Juni zeigte. Selbst ihr Erfinder, der 72-jährige chinesische Künstler Han Meilin steht nicht zu den Fuwa, berichtet das Wall Street Journal. Die Maskottchen hätten weitaus besser umgesetzt werden können und ein mögliches Scheitern der Figuren sei nicht seine Schuld, sagt Han. Die Bürokratie hätte letztlich zu starken Einfluss auf seine Vorschläge genommen und von seinen ursprünglichen Figuren sei nicht mehr allzu viel übrig geblieben. "Entscheidend ist, dass ein Maskottchen unverwechselbar ist, dass es hohe Aufmerksamkeit erzeugt und die Merchandising-Produkte klar von anderen differenziert", meint Gereon Friederes, Geschäftsführer bei marketmind http://www.marketmind.at , gegenüber pressetext.

Han hatte zunächst fünf Kinder gezeichnet, die die Elemente Feuer, Holz, Wasser, Gold und Erde repräsentierten. Doch dann sei die Order gekommen, es müsse unbedingt auch ein Panda dabei sein, so Han. Nach rund 1.000 verschiedenen Modellen sind schließlich fünf Cartoon-Figuren in Tierform, darunter auch eine tibetische Antilope, dabei herausgekommen. Vor dem Hintergrund des Tibet-Konflikts hat es infolge insbesondere an der Antilopen-Figur heftige Kritik gegeben. Auch die "diffuse" Darstellung, bei der nicht eindeutig erkenntlich sei, ob die Fuwa nun Kinder, Tiere oder Außerirdische sind, wurde bemängelt. Die offizielle Betitelung, es handle sich um "Kinder, die auch die natürlichen Charakteristika von vier der populärsten chinesischen Tierarten implizieren" konnte hier nur begrenzt für Klarheit sorgen.

Trotz Kritik und der im Raum stehenden Frage nach dem Sinn solcher Sport-Maskottchen, haben die Fuwa einen weitreichenden Wert. "Die Marke Olympia braucht natürlich eine Subbrand, die das jeweilige Ereignis, im konkreten Fall Peking 2008, kennzeichnet", erklärt Friederes auf Nachfrage von pressetext. Maskottchen und Logos hätten eine klare Funktion als Key Visual in einer globalen Event-Kampagne. "Der Wert solcher Maskottchen liegt ganz klar im Merchandising. Für die Fußball EM in diesem Jahr werden die Merchandising-Umsätze mit Logo und Maskottchen zum Beispiel auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt", so Friederes weiter. Die meisten Maskottchen stießen zu Beginn auf Ablehnung. "Das liegt daran, dass sie eben noch nicht durch das Ereignis selbst positiv aufgeladen sind, aber vom Betrachter intuitiv mit anderen Key Visuals verglichen werden, die diesen Prozess der emotionalen Konditionierung bereits hinter sich haben." Aus europäischer Perspektive gebe es aber das zusätzliche Problem, dass die Maskottchen stark dem asiatischem Geschmack angeglichen sind.

China hat mittlerweile eine ausufernde Merchandise-Kampagne für die Fuwa gestartet. Animationsfilme im Fernsehen, bedruckte T-Shirts und jede Menge Modeschmuckartikel in rund 6.300 Olympia-Shops sollen aus den Maskottchen einen Erfolg machen. Dass die Chinesen die Figuren mit ihren überdimensionierten Köpfen nicht besonders schätzen, wird auch daran deutlich, dass viele sie inzwischen "Wuwa" - was so viel bedeutet wie Hexenpuppen - nennen, nachdem China von einer Reihe von Naturkatastrophen heimgesucht wurde. Laut dem olympischen Komitee Bocog http://en.beijing2008.cn/bocog verlaufen die Verkäufe der Fuwa-Produkte trotz aller Ablehnung gut und die Charaktere würden von den Konsumenten "sehr gut" angenommen. In Peking wurden von den Einheimischen mittlerweile auch eigene Maskottchen als Gegenstück zu den offiziellen entworfen. Eine Ente, eine Libelle und ein Taxi, deren Namen in Pekinger Jargon so etwas wie "Bastard" oder "Mistkerl" bedeuten, ersetzen die Fuwa auf zynische Weise. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden die Maskottchen bereits im Jahr 2005, 1.001 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele.

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Claudia Zettel
Tel.: +43-1-81140-314
E-Mail:
pressetext.austria
   
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