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pte20080723025 Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
Olympia-Euphorie verpufft an Chinas Börsen
"Nach dem Ende der Spiele wird die Luft raus sein"
Investitionsboom flacht immer mehr ab (Foto: pixelio.de, Jutta Fa.)
Investitionsboom flacht immer mehr ab (Foto: pixelio.de, Jutta Fa.)

Stuttgart/Mainz (pte025/23.07.2008/13:55) - Rund zweieinhalb Wochen vor dem offiziellen Start der Olympischen Spiele in Peking ist an den chinesischen Börsen bislang noch nichts von einem olympischen Börsenfieber zu spüren. Wie die ARD berichtet, scheint sich eher ein gegenläufiger Trend abzuzeichnen, da die Kurse seit Jahresbeginn heftig abgestürzt sind und sich damit die Frage nach einer geplatzten China-Blase stellt. Obwohl Insider noch nicht soweit gehen, den einstigen chinesischen Börsenboom mit dem Scheitern des Technologiemarkts der Jahrtausendwende zu vergleichen, flüchten Anleger seit Jahresbeginn aus dem Markt. Zudem zeige die Entwicklung, dass viele Anleger Gelder in Termineinlagen umschichten, um sich gegen weitere Kursrückschläge zu wappnen, so der Bericht. Dies führt dazu, dass die Kurse in Shanghai stark unter Druck geraten und der Börsenstandort, der zur Hälfte von Privatanlegern dominiert wird, an Attraktivität verliert.

"Der Investitionsboom vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele hat bereits vor mindestens zwei Jahren begonnen. Dennoch befürchte ich, dass nach dem Ende der Spiele die Luft raus sein wird", unterstreicht die Wirtschaftswissenschaftlerin und China-Expertin Ulrike Reisach gegenüber pressetext. Dennoch warnt Reisach davor, China in seinem Wirtschaftswachstum langfristig gesehen zu unterschätzen. "China und Indien sind nach wie vor die beiden Märkte mit den besten Wachstumsprognosen. Hierbei ist zu erwähnen, dass sich China als erstaunlich flexibel in der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme und gegenüber ausländischen Investoren gezeigt hat und nach wie vor mit guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten kann", fügt Reisach hinzu. Der Abschwung zeichnet sich jedoch vor allem an der Shanghaier Börse ab, da diese in den letzten Monaten zu den größten Verlierern unter den internationalen Aktienmärkten zählte.

Deutlich wird diese Entwicklung anhand des Composite-Index. Dieser büßte seit Oktober des abgelaufenen Wirtschaftsjahres rund 50 Prozent an Wert ein. Vor einem Jahr lag er noch bei über 6.000 Punkten, während dieser inzwischen unter 3.000 Zähler gerutscht ist. Aber auch in Hongkong, wo verstärkt ausländische Investoren tätig sind, fielen die Kurse. Der Hang-Seng-Index gab um rund 25 Prozent nach und notiert inzwischen nur noch bei rund 22.000 Punkten. Vor allem die Inflation, restriktive Eingriffe der Regierung sowie die Sorge um schwindende Unternehmensgewinne verunsichern die Anleger zusehends. Hinzu kommt ein Mitte Juni dieses Jahres verabschiedetes Maßnahmenpaket der Zentralbank zur Bekämpfung der hohen Inflation. Aufgrund des dadurch ausgelösten Kurseinbruches befürchten Anleger, dass die Eindämmung der Kreditvergabe der Banken die Unternehmensgewinne stärker belasten könnte. Die Verringerung der Stempelsteuer sorgte hingegen nur kurzzeitig für Entlastung. Aber auch die konsumbezogen hohe Verteilungsproblematik belastet das Image Chinas.

"Der chinesische Privatkonsum ist noch stark unterentwickelt. Das hat damit zu tun, dass nur eine winzige Oberschicht immens reich ist und in dem Maße konsumieren kann, dass dies umsatzbezogen für ausländische Unternehmen relevant wäre", meint Reisach im pressetext-Interview. Der Blick auf die Aktienklassifizierungen zeigt den Wachstumsschwund. Lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis von chinesischen A-Papieren vor einem Jahr noch bei mehr als 40, beträgt dieses nun 20, gemessen an den für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne. Die in Hongkong gehandelten H-Aktien sind hingegen bereits zum 14-Fachen des Gewinns zu bekommen. Ein weiterer Absturz wird von Analysten nicht ausgeschlossen. So gehen die Pessimisten mittlerweile davon aus, dass der Shanghaier Leitindex bis auf 2.500 Punkte sinken könnte.

(Ende)

Aussender: pressetext.deutschland
Ansprechpartner: Florian Fügemann
Tel.: +43-1-81140-305
E-Mail:
pressetext.deutschland
   
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