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pte20080516006 Umwelt/Energie, Forschung/Technologie
China: Viele Menschenaffenarten bedroht
Unterart des Weißhandgibbons ist "sang- und klanglos ausgestorben"
Der ausschließlich in China beheimatete Yunnan-Weißhandgibbon ist ausgestorben (Foto: Uni Zürich)
Der ausschließlich in China beheimatete Yunnan-Weißhandgibbon ist ausgestorben (Foto: Uni Zürich)

Zürich (pte006/16.05.2008/08:10) - Menschenaffen in China sind scheinbar stärker vom Aussterben bedroht, als in jedem anderen Land. Jüngst haben Anthropologen der Universität Zürich http://www.aim.uzh.ch bei einer Bestandsaufnahme des Weißhandgibbons feststellen müssen, dass eine weitere Art, der Hylobates lar Yunnan-Weisshandgibbon, offenbar ausgestorben ist. Diese Gibbon-Unterart war ausschließlich in der Provinz Yunann beheimatet. "In China haben die Menschenaffen sehr viel mehr ihres ursprünglichen Habitats verloren als anderswo. Nahezu 99 Prozent ihres Lebensraumes sind dort zerstört worden", berichtet Studienleiter Thomas Geissmann im Gespräch mit pressetext.

Das schweizerisch-chinesische Forschungsteam, bestehend aus Mitgliedern der Gibbon Conservation Alliance http://www.gibbonconservation.org der Uni Zürich und des Zoologischen Instituts von Kunming, hatte eine Bestandsaufnahme in allen Gebieten durchgeführt, in denen der Weißhandgibbon in den vergangenen 20 Jahren gesichtet oder gehört worden war. "Auch diese Gebiete sind bei Weitem nicht mehr so groß. Sie befinden sich alle im Naturreservat Nangunhe", erklärt Geissmann. Im Jahr 1988 sei die Unterart dort zum letzten Mal gesichtet worden, ihre lauten, melodischen Rufe wurden zuletzt 1992 gehört. Nach zweiwöchiger Feldarbeit in den Wäldern des Reservats kam das Team jedoch zu dem Schluss, dass diese Gibbonart nicht länger Bestandteil der chinesischen Tierwelt ist. "Noch vor einem Jahrtausend waren die Gibbons in großen Teilen Chinas verbreitet, heute sind dort alle Arten bedroht", so Geissmann. Zwar haben die Forscher Hoffnung, dass der Yunnan-Weißhandgibbon noch im angrenzenden Burma zu finden sei, Hinweise gebe es dafür aber bisher nicht. "Zumal auf beiden Seiten der Grenze eine ungeheure Fläche von Monokulturen eingenommen wird", ergänzt der Anthropologe. Als Lebensraum taugten diese agrarisch genutzten Flächen nicht.

Das Aussterben der Gibbonart sieht Geissmann als dringendes Alarmsignal, denn es handelt sich nicht um die einzige bedrohte Art. "Auch der Weißwangen-Schopfgibbon ist kritisch bedroht. Diese Art hat den gleichen Status wie der Weißhandgibbon vor unserer Untersuchung, es weiß schlicht niemand, ob es ihn dort noch gibt", sagt der Forscher. "Es wäre gut möglich, dass auch diese Art in den 1990er Jahren sang- und klanglos ausgestorben ist." Vom Cao-Vit-Schopfgibbon gebe es derzeit nurmehr weniger als 100 Vertreter, beim Hainan-Gibbon sei es gar nur noch ein Dutzend. Der Verlust des Yunnan-Weißhandgibbons könnte also nur der Anfang einer Welle der Ausrottung sein, der die meisten der chinesischen Menschenaffen zum Opfer fallen könnten.

Zum Schutz der kleinen Menschenaffen werde derzeit aber wenig getan, kritisiert Geissmann. "Die Gibbon Conservation Alliance ist die einzige Organisation, die sich spezifisch für den Schutz und Erhalt der Gibbons engagiert." Für einen effektiven Artenschutz sei das aber viel zu wenig. Dabei mache die Familie der Gibbons mit ihren 16 Unterarten rund 70 Prozent der Menschenaffen überhaupt aus. "Die großen Menschenaffen sind für die meisten Menschen und Wissenschaftler aber attraktiver. Denn die Kleinen, die mitten im Urwald auf teilweise 40 Meter hohen Bäumen sitzen, sind auch viel schwerer zu beobachten", meint Geissmann, "Unsere Arbeit ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendwo muss man ja anfangen."

(Ende)

Aussender: pressetext.schweiz
Ansprechpartner: Claudia Misch
Tel.: +43-1-81140-316
E-Mail:
pressetext.schweiz
   
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