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Fr, 10.02.2012
pte20080507026 Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
Job-Kahlschlag: Finanzkrise bewirkt 200.000 Entlassungen
"Größenordnung absolut realistisch, schlimmeres Szenario droht"
New York/London/Frankfurt (pte026/07.05.2008/12:18) - Die seit August 2007 wütende Finanzkrise hat allein in den USA bislang bereits über 136.000 Arbeitsplätze gekostet. Branchenbeobachter gehen jedoch davon aus, dass diese Zahl noch auf 200.000 ansteigen könnte. Wie die Financial Times Deutschland unter Berufung auf das US-amerikanische Outplacement-Beratungsunternehmen Challenger, Gray & Christmas http://www.challengergray.com berichtet, wird auch in den Finanzzentren Europas bis Jahresende mit massiven Entlassungswellen gerechnet. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein im April baute der US-Finanzsektor 23.100 Mitarbeiter ab, wobei diese Zahl neben den Wall-Street-Häusern auch Regionalbanken, Hypothekenanbieter und Versicherer mit einschließt. Insider sehen dies als düstere Vorzeichen für Europa. Erst gestern, Dienstag, kündigte die Schweizer Großbank UBS an, 5.500 ihrer insgesamt 84.000 Stellen zu streichen. "Diese Zahlen hören sich zwar sehr drastisch an, dennoch halte ich einen massiven Jobabbau in den USA in dieser Größenordnung für absolut realistisch. Aber auch in Europa ist man in dieser Hinsicht noch nicht ganz über den Berg", meint Ingo Kreisinger, Leiter Aktienhandel Frankfurt bei der Baader Wertpapierhandelsbank http://www.baaderbank.de , im Gespräch mit pressetext. Laut dem Experten ist die Unsicherheit im Markt nach wie vor groß. Zwar würden die liquiden Mittel bei großen Investmentfonds nach wie vor vorhanden sein, das Problem bestünde aber darin, dass diese sich mit Investitionen zurückhalten und das Kapital derzeit parken. Angesichts der Hiobsbotschaften über Mrd.-Arbschreibungen rechnet Challenger, Gray & Christmas-Chef John Challenger damit, "dass noch einiges bevorsteht". Auch Kreisinger hält eine Verschärfung der Streichungspläne für möglich. "Nimmt man zusätzlich Finanzdienstleister wie kleine Versicherer oder regionale Institute mit hinzu, dann droht sogar ein noch schlimmeres Szenario", so der Experte auf Nachfrage von pressetext. Der in Aussicht gestellte Jobverlust über die Zahl von 200.000 sei längst nicht die Obergrenze. "Das kann auch noch höher gehen", so Challenger. Diese düsteren Vorhersagen scheinen nicht unbegründet zu sein. So mussten die Großbanken bisher mehr als 300 Mrd. Dollar abschreiben. Aktuelle Schätzungen von Bloomberg gehen davon aus, dass Wertpapierhäuser, Versicherungen nicht mitgerechnet, seit der Jahresmitte 2007 bereits 65.000 Stellen gestrichen haben. Obwohl die deutsche BayernLB bislang 80 Jobs gestrichen hat und die WestLB bis 2010 rund 1.350 Arbeitsplätze kürzen will, droht hierzulande kein Kahlschlag. Anders hingegen in London, da die Citi dort rund 20.00 Stellen streichen will. Die Beispiele für unerwartet hohe Verluste und Abschreibungen reihen sich im ersten Quartal 2008 nahtlos aneinander. Erst gestern schockte der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae mit einem Verlust von 2,2 Mrd. Dollar. Die nächste schlechte Nachricht droht vom US-Investmenthaus Morgan Stanley. Ersten Spekulationen nach sollen rund 2.000 Banker gehen. Zudem rechnen Analysten damit, dass die Citigroup am kommenden Freitag zwischen fünf und zehn Prozent der mehr als 370.000 Beschäftigten entlassen wird. Insider vergleichen die Entlassungen mit dem Platzen der Internetblase nach der Jahrtausendwende. Damals waren allein in New York rund 60.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. "Dass Banken Entlassungen vornehmen, um profitabler zu werden, hat nichts primär mit der Finanzkrise zu tun. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass die Krise als Rechtfertigungsinstrument dient", so Kreisinger abschließend. (Ende)
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