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Sa, 11.02.2012
pte20080125023 Umwelt/Energie, Medizin/Wellness
Schimpansen-Tod durch Menschen-Virus
Mangelnde Distanz fördert Austausch von Erregern
Berlin/Leipzig (pte023/25.01.2008/13:55) - Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie http://www.eva.mpg.de und des Berliner Robert Koch Instituts http://www.rki.de haben erstmals gezeigt, dass nicht nur Menschenaffen Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können, sondern auch umgekehrt Menschenaffen humanen Erregern zum Opfer fallen. Die Forscher konnten erstmals einen direkten Beleg für die Virusübertragung von Menschen auf Menschenaffen finden. Dazu verfolgten sie Spuren von menschlichen Krankheitserregern in zwei Schimpansen-Gruppen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste. Das Studienergebnis wurde in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht. "Über die Übertragung von Krankheitserregern von Menschenaffen auf den Menschen, gibt es bereits zahlreiche Studien. Der umgekehrte Weg ist allerdings bisher noch weitgehend unbeforscht", erklärt der Senior-Autor Fabian Leendertz vom Robert Koch Institut, gegenüber pressetext. Es sei bekannt, dass etwa das Ebola-Virus fast ausschließlich von verstorbenen Schimpansen und Gorillas auf den Menschen übertragen werde, so der Experte. "In dieser Studie haben wir aber aufgezeigt, dass die Nähe zum Menschen auch tödliche Gefahren für die Schimpansen bergen können." Gewebeproben von Schimpansen, die bei einer Serie von Krankheitsausbrüchen seit 1999 starben, konnten die Wissenschaftler positiv auf zwei typische Erreger von Atemwegserkrankungen bei Menschen, das "Respiratory Syncytal Virus" (RSV) und das Metapneumovirus testen. "Die Virusstämme der Schimpansen waren nahe verwandt zu weltweit verbreiteten Stämmen, die gegenwärtig in menschlichen Bevölkerungsgruppen zirkulieren", erklärt der Experte. Das lege auch nahe, dass die Übertragung auf die Tiere noch nicht lange zurückliege. "Die Schimpansen reagieren auf die Krankheitserreger ähnlich wie etwa Ureinwohner von Nordamerika und Australien auf europäische Viren in der Vergangenheit reagierten. Sie waren gegen die Viren immunulogisch naiv", erklärt Leendertz. "Wir sind derzeit in der Situation, da wir immer weiter in die Urwälder vordringen, daher ist es sehr wichtig über Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern bei Wildtieren und Menschen intensiv zu forschen", meint der Forscher. Es müsse stärker auf Hygiene-Maßnahmen bei Menschenaffen-Tourismus und bei Forschungsteams geachtet werden, fordert Leendertz und Co-Autor Christophe Boesch, Direktor des Schimpansen-Projektes. Bei den Untersuchungen nutzte das Wissenschaftsteam einen multidisziplinären Ansatz mit Methoden aus der Verhaltensökologie, Veterinärmedizin, Virologie sowie der Populationsbiologie. Die Forschergruppe aus Leipzig und Berlin hatte bereits 2004 im Fachmagazin Nature die ersten jemals beobachteten Fälle von Anthrax (Milzbrand) bei wild lebenden Schimpansen vorgestellt. Anfang 2006 berichteten sie über eine bisher unbekannte Variante des Milzbranderregers, den sie bei drei Schimpansen und einem Gorilla in Kamerun entdeckt hatten. Die Öffnung von Gorilla- und Schimpansen-Reservaten für den Tourismus wird sehr häufig als Schlüssel für die Bewahrung dieser gefährdeten Menschenaffen angesehen. Die Präsenz der Wissenschaftler hatte neben der Gefährdung auch eindeutig positive Effekte auf den Bestand der Tiere. Untersuchungen haben deutlich gemacht, dass die Gegenwart der Forscher die Wilderer-Aktivitäten in diesen Gebieten erheblich verringerte. Die Schimpansen-Dichte sowohl im Umfeld der Forschungsaktivitäten als auch an einem nahegelegenen Tourismus-Gebiet war daher viel höher als in den übrigen Gebieten des Nationalparks. "Der schützende Effekt überwiegt eindeutig die Sterblichkeit bei Schimpansen durch den Eintrag menschlicher Krankheitserreger", meint Leendertz abschließend gegenüber pressetext. (Ende)
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