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pte20071117001 Bildung/Karriere, Medien/Kommunikation
Online-Jobmarkt keine Konkurrenz zu Printmedien
StepStone-Österreich-Geschäftsführer Eblinger im pressetext-Interview
Florens Eblinger
Florens Eblinger
[ Foto ]

Wien (pte001/17.11.2007/06:00) - Die europäische Online-Jobsuche boomt, und Kunden wünschen sich zunehmend große, internationale Anbieter, um ihre Inserate im Internet zu schalten. Mit der Übernahme durch den internationalen Online-Stellenmarkt StepStone Anfang 2007 wurde auch die vormals österreichische Online-Jobbbörse Jobfinder Austria Teil des reichweitenstarken europäischen Anbieters. Gestern, Freitag, fand der Markentransfer zu StepStone http://www.stepstone.at statt. Aus diesem Anlass spricht Florens Eblinger, Geschäftsführer von StepStone Österreich, im pressetext-Interview über die Zukunft des E-Recruiting. Er blickt auf die Marktentwicklung der vergangenen Jahre zurück, erläutert neue Trends und die Auswirkungen des "War for Talents" auf die Bewerbersuche.

pressetext: Online-Jobbörsen gibt es seit rund zehn Jahren. Wie hat das Internet die Jobsuche und die Personalbeschaffung verändert?
Eblinger: Überraschenderweise haben die Printstellenmärkte durch den Einfluss des Internets überhaupt nicht gelitten, sie sprechen heute aber eine andere Zielgruppe an. Print- und Online-Inserate können sehr gut nebeneinander existieren und sich ergänzen. Das Print-Inserat richtet sich an aktiv Jobsuchende, mit einem Online-Stellenmarkt können auch Personen angesprochen werden, die passiv suchen. Diese sind mit ihrem aktuellen Job zufrieden, zeigen sich bei entsprechenden Angeboten aber interessiert und wechselbereit. Hier ist das Online-Medium im Vorteil. Hat sich ein Kandidat mit einem Profil bei uns angemeldet, können wir mithilfe der Rubrizierung gut selektieren und ihm maßgeschneiderte Angebote direkt per E-Mail zustellen.

pressetext: Wie hat sich der Online-Jobmarkt aus Ihrer Sicht in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Eblinger: Vor zehn Jahren war das Thema noch in den Kinderschuhen. Der Markt war wenig transparent, es gab viele Online-Stellenmärkte, manche funktionierten besser, manche weniger gut. Mit den Jahren hat sich der Markt aber sehr positiv entwickelt. Nun weiß man, dass es drei, vier größere Player gibt, manche davon mit einer nationalen, andere mit einer internationalen Ausrichtung. Ich denke, dass die Mitbewerbssituation in Österreich für alle eine sehr angenehme ist. Es ist ein sehr kleiner Markt, der aber Wert auf Qualität legt. Hier können Jobbörsen punkten, die maßgeschneiderte Leistungen anbieten, die kunden-, serviceorientiert und flexibel sind.

pressetext: Welche Jobs werden heute vorwiegend über das Internet gesucht und ausgeschrieben?
Eblinger: Derzeit sind es Positionen im Angestelltenbereich, Buchhaltungs- und Sekretariatskräfte, Mitarbeiter in Technik und Vertrieb oder Marketingpositionen, von der Spezialistenebene über das mittlere Management, bis hin zum Topmanagement. Hier wird es sicher eine Verschiebung geben, da das Online-Medium auch für Positionen im Arbeiterbereich entdeckt werden wird, wo es heute noch sehr selten zum Einsatz kommt. Dabei wird man vermehrt neue Wege gehen und vielleicht weniger herkömmliche Methoden nutzen, die Arbeitsmarktservice heißen.

pressetext: Was sind die größten Probleme bei der Mitarbeitersuche im Internet?
Eblinger: Es geht vor allem um den qualitativen Rücklauf. Die Herausforderung dabei ist, wie ich mit dem Medium richtig umgehe und mit den Kandidaten richtig kommuniziere. Das Online-Medium macht die Bewerbung auch jenen Kandidaten einfach, die vielleicht nicht auf die ausgeschriebene Position passen. Das verursacht einen administrativen Aufwand, der so nicht unbedingt erwünscht ist. Auf der anderen Seite sagen Unternehmen, dass sie in der jetzigen Situation über jeden Bewerber froh sind. Daraus kann auch eine Chance entstehen, denn mit diesen Kandidaten kann man durchaus weiterarbeiten und sie in Zukunft vielleicht für andere Projekte und Positionen einsetzen.

pressetext: Gibt es Auswahl- oder Selektionskriterien, die ein Zuviel an Bewerbungen verhindern?
Eblinger: Derzeit gibt es selten ein Zuviel an Bewerbungen, sondern eher ein Zuwenig. Wenn sich der Arbeitsmarkt einmal drehen sollte, gibt es von unserer Seite eine Lösung, um eine automatisierte Vorselektion der Kandidaten zu treffen. Der Kunde legt bestimmte Kriterien fest, nach denen wir ein Bewerber-Ranking erstellen können. Schreibt ein Unternehmen etwa die Position eines Marketingmanagers aus und fordert von den Kandidaten eine entsprechende Ausbildung, können wir in einer Kurzbewerbung danach fragen. Kandidaten können so Bonuspunkte sammeln und werden gegenüber anderen vorgereiht.

pressetext: Am gestrigen Freitag hat der Markenstransfer von Jobfinder Austria zu StepStone stattgefunden. Welche Vorteile ergeben sich durch diesen Wechsel und den Einstieg von StepStone?
Eblinger: Jobfinder Austria ist seit neun Jahren am österreichischen Arbeitsmarkt tätig und war immer eine nationale Marke. Die Arbeitsmärkte verändern sich jedoch und wir haben gemerkt, dass das Thema Internationalität immer wichtiger wird. Schon jetzt suchen österreichische Firmen, die ihren Hauptsitz und sämtliche Niederlassungen im Inland haben, auch sehr gerne in Deutschland und anderen europäischen Ländern nach Mitarbeitern, weil sich das Potenzial in Österreich immer mehr erschöpft. Mit StepStone haben wir eine internationale Marke, die es uns ermöglicht, diesen Kunden auch internationale Lösungen anzubieten.

pressetext: Wird es durch den Wunsch der Kunden nach großen internationalen Anbietern zu einer weiteren Konsolidierung am europäischen Markt kommen?
Eblinger: Langfristig werden die großen internationalen Jobbörsen bei weitem die Nase vorne haben - das zeigt sich bereits heute und wird in Zukunft noch deutlicher werden. Denn wir stellen jetzt schon fest, dass unsere Kunden mit mehreren Jobbörsen zusammenarbeiten möchten, darunter vor allem die internationalen Anbieter. Für eine nationale Jobbörse wird es sicher zunehmend schwieriger werden. Aber ich denke, dass sich auch die kleineren Jobbörsen keine Sorgen machen müssen, wenn sie gutes Service bieten.

pressetext: Das Videoposting ist eines der neuen Tools, die Ihre Kunden durch den Einstieg von Stepstone nutzen können. In den Medien werden Sie mit der Aussage zitiert, dass Videorecruiting in Österreich bald zum Standard gehören wird.
Eblinger: Wir merken, dass es ein schwieriges Thema ist, weil es in Österreich ganz neu ist. Personalisten können damit noch nicht viel anfangen - Video klingt nach viel Aufwand und nach Kosten. Das Feedback unserer Kunden war bislang positiv, aber verhalten - noch ist die Scheu vor dem Unbekannten da. Ein Videoinserat ist jedoch eine Möglichkeit, um das Unternehmen in zwei Minuten mit bewegtem Bild und Ton gut darzustellen und Kandidaten zielgerecht anzusprechen. Das Video kann an einem Nachmittag entstehen, am nächsten Vormittag geschnitten und am darauffolgenden Tag bei uns online gestellt werden. Man kann das Produkt also sehr zeitnah einsetzen. Gegenüber anderen Unternehmen, die dieses innovative Tool nicht nützen, kann man sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. In Zukunft wird man das Produkt sicher öfter auf unserer Webseite sehen und dann wird auch die Scheu fallen.

pressetext: Wer ist für Sie im Moment der größte Mitbewerb und welche Akteure werden in den nächsten Jahren den Markt bestimmen?
Eblinger: In Europa ist dieser Bereich aufgeteilt zwischen StepStone und Monster. Das ist ganz klar die Spitze der europäischen Onlinestellenmärkte, und ich glaube, diesen Wettkampf werden wir noch länger in dieser Konstellation austragen.

pressetext: Wie sehen Sie die weitere Online-Marktentwicklung? Welche Trends zeichnen sich ab?
Eblinger: Es wird neue Tools und Matching-Methoden geben, die Rubrizierung wird noch feiner werden. Online-Stellenmärkte werden zum fixen Bestandteil in den HR-Software-Lösungen der Unternehmen. Dort, wo das Bewerberhandling im eigenen Bereich verwaltet wird, hat man dann in Form von Schnittstellen auch den direkten Zugang zu den Onlinestellenmärkten, die künftig weniger Dienstleister, als vielmehr Partner sein werden. Dabei wird wahrscheinlich stark auf HR-Lösungen wie Talentmanagement-Produkte gesetzt, die wir mit Stepstone auch bieten können.

pressetext: Sie haben bereits den Mangel an qualifiziertem Personal angesprochen. Wie wird sich dieser und der "War for Talents" künftig auf die Bewerbersuche auswirken?
Eblinger: In Österreich haben wir die Problematik, dass wir mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent im Jahr 2007 und einer Arbeitslosenquote von aktuell 4,1 Prozent in einer Situation sind, in der Firmen eigentlich expandieren wollen, aber eine Knappheit an Mitarbeiterressourcen vorfinden. Den starken Marken fällt hier das Rekrutieren wesentlich leichter. Aber auch schwächere Marken dürfen sich nicht mit der Situation abfinden, sondern müssen relativ zügig in den Bereich Arbeitgebermarke investieren und passende Konzepte für das eigene Unternehmen erstellen. Die Themen Employer-Branding und Talentmanagement sind dabei die zwei Schlagworte dieses Jahres.

pressetext: Wird die internationale Bewerbersuche dabei in Zukunft eine noch größere Rolle spielen?
Eblinger: Ja, wir werden in Zukunft weiter beobachten, dass Inserate international und auf Englisch ausgeschrieben werden. Das bringt auch das Thema Kulturmanagement mit sich, das zu den Herausforderungen der Zukunft zählen wird. Denn wenn ich Kandidaten aus anderen Kulturen anspreche, muss ich diese auch in mein Unternehmen integrieren. Es klingt leicht, ein Inserat in Deutschland auszuschreiben, aber wenn jemand nach Österreich übersiedelt, muss auch die Infrastruktur vorhanden sein. Noch deutlicher wird dies bei Personen, die im nicht-deutschsprachigen Raum Europas angesprochen werden.

pressetext: Dabei werden vermutlich schon die kulturellen Unterschiede bei der Schaltung einer Anzeige zur Herausforderung?
Eblinger: In England ist es üblich, dass man bei Inseratausschreibungen das Jahresgehalt dazuschreibt, das ist in Österreich undenkbar. Darüber hinaus gibt es auch bei der Ausschreibung gewisse Feinheiten. Entweder erarbeitet man sich das entsprechende Know-how oder - und hier kommen die Online-Stellenmärkte wieder ins Spiel - man arbeitet intensiv mit Partnern zusammen, die dieses Wissen bereits haben. Sucht ein Kunde einen Vertriebsmitarbeiter in Dubai, dann können wir das anbieten. Im Endeffekt können wir weltweit jedes Land bedienen. Unsere Partner vor Ort können für unseren Kunden sehr schnell ein maßgeschneidertes Angebot erstellen und das Inserat innerhalb von 24 Stunden auch in Dubai online schalten. Das ist der große Vorteil, den man als internationaler Stellenmarkt bieten kann.

pressetext: Vielen Dank für das Gespräch.

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Victoria Schubert
Tel.: +43-1-81140-305
E-Mail:
pressetext.austria
   
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