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pte20070908003 Unternehmen/Finanzen, Bildung/Karriere
Lohndumping: Deutsche Aufsichtsräte unterbezahlt
Britische Unternehmenskultur lässt Vergütungen drei Mal höher ausfallen
Witten/Düsseldorf (pte003/08.09.2007/06:15) - Deutsche Aufsichtsräte sind im Vergleich zu ihren Kollegen in Großbritannien unterbezahlt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Vergütungsvergleich der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke http://www.uni-wh.de/wiwi in einer aktuellen Studie. Als Hauptgrund für diese klaffende Schere verweisen die Experten vor allem auf kulturelle Unterschiede. "Diese erheblichen Abweichungen sind darauf zurückzuführen, dass hierzulande ein Zweikammersystem (Vorstand/Aufsichtsrat) existiert. In England hingegen sitzen alle näher beieinander in einem Boot", erläutert Klaus Aden, geschäftsführender Gesellschafter von Lachner Aden Beyer & Company http://www.labcompany.net , im Gespräch mit pressetext. Aden verweist hierbei insbesondere auf die Abhaltung von mehr Sitzungen, die in Großbritannien als Ausdruck einer professionelleren Aufsichtsratskultur zu verstehen ist. "Wir hatten schon mit Unterschieden bei der Vergütung gerechnet, dass sie jedoch so krass ausfallen, haben wir so nicht erwartet", sagt der Autor der Untersuchung Christian Jünger. Die Fachleute kommen bei ihren Recherchen zu dem Schluss, dass ein deutsches Aufsichtsratsmitglied durchschnittlich zwischen 160.000 und 185.000 Euro im Jahr verdient. Sein englisches Pendant - ein sogenannter Chairman - verdient mit einer halben Million Euro hingegen drei Mal so viel. "In Deutschland haben wir es größtenteils noch mit einer eher älteren Liga von Aufsichtsräten zu tun, die häufig vorher selbst schon einmal Vorstand gewesen sind", weiß Aden. Die Fachleute untersuchten bei der Erhebung vorrangig die Gehaltslisten der Aufsichtsräte von allen 30 im Deutschen Aktienindex http://www.dax.de gelisteten Unternehmen und verglichen die Zahlen mit denen von 30 Unternehmen an der Londoner Börse FTSE http://www.ftse.com . Nach Ansicht der Ökonomen ist das in Deutschland ausbezahlte Gehalt für Aufsichtsräte im Vergleich zu Großbritannien für das Maß an Verantwortung zu schlecht bezahlt. Dabei unterstreichen die Forscher jedoch auch, dass deutsche Aufsichtsräte deutlich weniger Zeit in ihre Aufgaben stecken als ihre britischen Kollegen. "Hierzu muss man sagen, dass der Trend zu höheren Vergütungen in Europa teilweise schon eingesetzt hat und sich weiter fortsetzen wird. Schließlich werden die Sitzungen vom Aufwand her sukzessive umfangreicher, wobei Entscheidungen von immer größerer Bedeutung für die Unternehmen getroffen werden", sagt Aden auf Nachfrage von pressetext. Der Vergütungsexperte spricht sich vor diesem Hintergrund und der bestehenden Gehaltsschere zudem für höhere Aufsichtsratsgehälter aus, die als Anreize ihre Aufgabe hinsichtlich der Ernsthaftigkeit erfüllen würden. Ein Blick auf die absolvierten Sitzungen zeigt, dass diese in Großbritannien im Vergleich zu Deutschland fast doppelt so hoch sind. So wird das Amt eines deutschen Aufsichtsrates hierzulande eher mit der Funktion eines Ehrenamtes gleichgesetzt, während dieser in Großbritannien einen gänzlich andere Stellenwert einzunehmen scheint. Dass sich die Vermutung der Studienautoren über eine mangelnde Ernsthaftigkeit nicht als unbegründet darstellt, wird im Hinblick auf die "tatsächliche Leistung" der deutschen Aufsichtsräte deutlich. Laut den Experten sei man in hierzulande noch längst nicht so weit, einen solchen Posten als professionellen Job zu betrachten. (Ende)
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