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pte20070616009 Computer/Telekommunikation, Medien/Kommunikation
Skype-Director: "Voice over IP - Was bitte ist das?"
Mobile-Chef Eric Lagier im Interview mit pressetext
Skype drängt auf Mobiltelefone (Foto: skype.com)
Skype drängt auf Mobiltelefone (Foto: skype.com)

Wien (pte009/16.06.2007/13:35) - Mit rund 200 Mio. Usern und spätestens nach der Mrd.-schweren Übernahme durch eBay zählt Skype http://www.skype.com zu den wichtigsten Playern der Webindustrie. Bei der Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells will das Unternehmen das erfolgreiche PC-Modell nun zunehmend auch auf Mobiltelefone übertragen. Im Interview mit pressetext rätselt Skype-Mobile-Director Eric Lagier über den Begriff "Voice over IP" und beantwortet unter anderem die Frage, ob die Zeit für Skype auf Mobiltelefonen schon reif ist.

pressetext: Sie sagten vor kurzem, der Mobilmarkt sei der Schlüssel zum Erfolg von Skype. Bisher hat sich Skype allerdings schwer getan, Mobilfunkbetreiber von diesem Unterfangen zu überzeugen und am Handy Fuß zu fassen. Wie sieht ihre weitere Strategie daher aus?
Lagier: Die Mobilfunk-Industrie ist ein in sich geschlossenes Eco-System. Netzbetreiber kontrollieren den Vertrieb, die Services und den Zugang zu ihrer Infrastruktur. Da ist es natürlich unerlässlich, eng mit Netzbetreibern zusammenzuarbeiten. Umso glücklicher sind wir, mit 3 Hutchison einen länderübergreifenden Partner gefunden zu haben, der unsere Ambitionen in Bezug auf das Internet teilt.

pressetext: Mit 14 Mio. von geschätzten zwei Mrd. Mobilfunkkunden und fehlender Präsenz in wichtigen Märkten wie Deutschland deckt Hutchison aber nur einen sehr kleinen Teil dieser potenziellen User ab.
Lagier: In diesem Fall geht es uns weniger um die Größe als um die Geschwindigkeit und die Erfahrung, die wir durch so eine Kooperation gewinnen können. Als Skype von den beiden Vordenkern Niklas Zennström und Janus Friis mit dem Ziel gegründet wurde, das größte Kommunikations-Unternehmen der Welt zu werden, ging es zunächst auch nicht um die Größe, sondern darum, wer sich schneller am Markt bewegt.

pressetext: In einem Interview mit Reuters haben Sie gesagt, dass der Massenmarkt für Skype auf Mobiltelefonen noch nicht reif ist.
Lagier: Diese Aussage wurde aus dem Kontext genommen. Sinngemäß habe ich gesagt, dass Services wie Skype für den mobilen Massenmarkt nicht interessant sind, so lange Mobilfunkbetreiber exorbitante Summen für die Nutzung von Webdiensten verlangen. Anbieter wie Hutchison zeigen, dass es auch anders geht, nämlich über Flatrates mit unlimitiertem Zugang zu Internet und Skype.

pressetext: Sehen Sie weitere Anzeichen, dass der Mobilfunkmarkt hier einem Paradigmenwechsel zusteuert?
Lagier: Die jetzige Situation beim Mobilfunk ist in etwa mit der Internetnutzung auf PCs vor zehn Jahren vergleichbar. Man saß zu Hause mit seinem Telefonmodem und hat, nachdem man ein E-Mail heruntergeladen hatte, schnell die Verbindung getrennt, weil es so teuer war. Dann kam ADSL und die Zugangs-Ebene wurde zunehmend von der Service-Ebene getrennt. Dasselbe passiert jetzt im mobilen Bereich.

pressetext: Welche Auswirkungen hat das für Kunden?
Lagier: Wenn man - wie einige Netzbetreiber bereits vorgemacht haben - einmal von der Verrechnung pro Minute, pro SMS und pro Megabyte abrückt und stattdessen Kunden einen Pool von Minuten, SMS oder Datenmengen zum monatlichen Fixpreis anbietet, ist es zu einer echten Flatrate mit unlimitierter Nutzung nicht mehr weit.

pressetext: Warum sollten Mobilfunkbetreiber da mitspielen und Ihrem Unternehmen noch dazu als Anbieter kostenloser Telefonie den Zugang ermöglichen?
Lagier: Netzbetreiber können heute keine neuen Kunden mehr gewinnen, sondern höchstens anderen Anbietern bestehende Kunden abjagen. Sowohl die Geräte als auch die Preismodelle sind sich sehr ähnlich. Daher kommt den angebotenen Services eine immer wichtigere Rolle zu. Wir können immerhin den Zugang zu einer funktionierenden Community von 200 Mio. Anwendern anbieten.

pressetext: Gartner hat kürzlich kritisiert, dass VoIP-Anbieter wie Skype und die damit verbundenen Applikationen immer noch viel zu kompliziert für den Massenmarkt sind (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070405004 ). Wie sehen Sie diese Einschätzung?
Lagier: Die Verwendung des Begriffs "VoIP" im Gartner-Statement zeigt bereits die Problematik auf. Haben Sie jemals Skype den Begriff "VoIP" sagen hören? Was bitte ist das? Wir bieten Internet-Kommunikation an, die einfach zu nutzen ist. Sogar meine Mutter kann Skype bedienen. Weiters ist Skype viel mehr als nur "Voice" oder Telefonieren. Hier geht es um erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten mit Mio. von Usern über SMS, Chat, Video oder Konferenzschaltungen. Darüber hinaus werden zunehmend Webservices wie eBay oder PayPal in der Plattform integriert.

pressetext: Was sagen Sie zum jüngsten Erfolg des Markt-Konkurrenten Jajah, der finanz- und prestigeträchtige Investoren wie Intel und die Deutsche Telekom für sich gewonnen konnte?
Lagier: Wir sehen uns nicht als direkte Konkurrenten. Gleichzeitig freuen wir uns auch über deren Erfolg. Der 180-Grad-Schwenk der Telekom macht sehr schön deutlich, wie radikal sich die Vorzeichen am Markt verändert haben.

pressetext: Vielen Dank für das Gespräch.

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Martin Stepanek
Tel.: +43-1-81140-308
E-Mail:
pressetext.austria
   
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