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Fr, 25.05.2012
pte20061219029 Unternehmen/Finanzen, Handel/Dienstleistungen
Nationalbank warnt vor riskantem Zentral- und Osteuropageschäft
Hohe Neuverschuldung und Fremdwährungskredite als Ursachen
Wien (pte029/19.12.2006/13:16) - Österreichs Finanzsystem bleibt unverändert robust. Zu diesem Ergebnis kommt der Finanzmarktstabilitätsbericht Nr. 12, der heute, Dienstag, von der Österreichischen Nationalbank OeNB http://www.oenb.at präsentiert wurde. "In dieser Hinsicht war 2006 ein Jahr der erfolgreich bestandenen Bewährungsproben", meint Josef Christl, Mitglied des Direktoriums der OeNB, im Gespräch mit pressetext. Die Stabilität des österreichischen Finanzsystems im heurigen Jahr stellt sich vor dem Hintergrund einer relativ gut verarbeiteten internationalen Risikolage ohne gravierende Verwerfungen dar. So blieben die weltweit ökonomischen Fragilitäten durch den Zinsanstieg, die Ölpreis- und Aktienvolatilität im zweiten Quartal 2006 sowie den Zusammenbruch eines großen Hedge Fonds auch für Österreich in seinen Folgen größtenteils mild. Das makroökonomische Umfeld unterstützt in diesem Kontext die Finanzmarktstabilität in Österreich. Folglich bleibt das Weltwirtschaftswachstum trotz Abkühlung in den USA weiter dynamisch, wobei sich die Konjunktur in Österreich und in Zentral- und Osteuropa weiterhin besser als im Euroraum entwickelt. Trotz der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) http://www.ecb.int im Verlauf des Vorjahres, kann eine Verbesserung der Finanzbedingungen der österreichischen Unternehmen nachgewiesen werden. Dem Bericht nach ist die Kreditfinanzierung für Unternehmen und Haushalte zuletzt etwas teurer geworden, was sich auch bei den Unternehmen bemerkbar macht. So nahmen diese verstärkt Mittel auf dem Kapitalmarkt auf, als sich die Bedingungen in den vergangenen Monaten wieder freundlicher gestalteten. Ausschlaggebend für die privaten Haushalte ist, dass die höheren Zinsen nicht nur höhere Aufwendungen für Kredite, sondern auch höhere Erträge für ihre Spareinlagen bewirken. Christl zeigt sich jedoch optimistisch, da die Kreditnachfrage trotzdem dynamisch sei, wobei sich die Ertragslage der Banken und Versicherungen bislang fortlaufend sehr positiv entwickele. Dennoch mahnt der Finanzexperte, dass "die steigenden Risiken, die angesichts der raschen Expansion der österreichischen Banken in Zentral- und Osteuropa entstehen, sehr genau beobachtet werden müssen". Laut Christl seien die Risiken bei den Tochterbanken, die in Zentral- und Osteuropa auch im bisherigen Verlauf des Jahres 2006 einen anhaltend hohen Beitrag zu den steigenden Gewinnen der österreichischen Banken beitrugen, auch zukünftig genau abzuwiegen. Im Detail verweist das Direktoriumsmitglied darauf hin, dass noch immer teils große Unterschiede zwischen den einzelnen zentral- und osteuropäischen Ländern bestünden. "Vor allem bewegen sich Ungarn, Kroatien, Rumänien und die Slowakei in eine Richtung, die uns keine Freude macht", betont Christl. Diese Einschätzung steht vor dem Hintergrund, dass mehr als ein Drittel des Ergebnisses des gesamten österreichischen Bankensystems schon in Zentral- und Osteuropa erwirtschaftet wird. Nach den bevorstehenden EU-Beitritten von Rumänien und Bulgarien unterliegen weiter knapp zwei Drittel der Bilanzsumme österreichischer Banken in Zentral- und Osteuropa den rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der EU. Ein damit verknüpfter Anstieg des Kreditwachstums birgt laut der OeNB ein zunehmendes Risiko, das bei dort tätigen Banken vorab relativiert werden sollte. Die Experten weisen außerdem auf die risikobehaftete Kreditfinanzierung der Unternehmen und privaten Haushalte durch rund 40 Mrd. Euro Fremdwährung hin. Das Inlandsgeschäft der österreichischen Banken stellt sich für das Jahr 2006 freundlich dar. Die Aufwand-Ertrag-Relation ist für die ersten drei Quartale 2006 bei rund 64 Prozent anzusetzen, was einem historischen Tiefstand gleich kommt. Wachstumsfördernd ist hierbei besonders das Provisionsgeschäft bei weiter sinkender Zinsspanne (Rückgang auf knapp über ein Prozent). "Somit verfügen die österreichischen Banken mit ihrer momentanen Eigenmittelausstattung über einen geeigneten Risikopuffer, was durch Stress-Tests in der hohen Schockresistenz gezeigt werden konnte", betont Andreas Ittner, Direktor der Hauptabteilung Analyse und Revision der OeNB. Potenziell risikobehaftet für die österreichische Finanzmarktstabilität sind laut Bericht eine abrupte Reaktion von Wechselkursen und Zinsen auf die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte. Außerdem werden neben einer stärkeren Exponierung der Privathaushalte gegenüber den Marktentwicklungen auch die rasch ansteigende Abhängigkeit der Großbanken Österreichs von den Entwicklungen in Zentral- und Osteuropa als Risikofaktoren benannt. (Ende)
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