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Do, 24.05.2012
pte20061117004 Medien/Kommunikation
"Gratiszeitungen kannibalisieren den Anzeigenmarkt"
Kleinformat und Gratiszeitungen international im Trend
Berlin / Bodenheim (pte004/17.11.2006/06:20) - Das Phänomen der Gratiszeitungen steht im Mittelpunkt der World Editor und Marketeer Konferenz, die von Donnerstag bis Freitag kommender Woche in Madrid vom Weltverband der Zeitungen http://www.wan-press.org veranstaltet wird. In zahlreichen europäischen Ländern gehören die kostenlosen Kleinformate zum Alltag in den Metropolen. In Deutschland hat sich bislang noch kein Zeitungsverlag gewagt, den ersten Schritt zu machen und eine Gratiszeitung auf den Markt zu bringen. Hans-Dieter Gärtner, Geschäftsführer der Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Begleitforschung (GESO) http://www.geso-pr.de , kommt in der Studie "Innovationen am Zeitungsmarkt" zu dem Ergebnis, dass der deutsche Zeitungsmarkt nicht im Trend liegt, der weltweit in Richtung Gratiszeitung und Kleinformat geht. Nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) http://www.bdzv.de mit gutem Grund: "Die Verlage in Deutschland sind sich einig: Redaktionelle Leistung darf nicht verschenkt werden", betont Anja Pasquay, Sprecherin des BDZV, im pressetext-Gespräch. Die Verlage würden den Markt im Ausland sehr genau beobachten und was sie sähen sei nicht nur positiv. "Die Beispiele in London oder aus Dänemark zeigen, dass die Gratiszeitungen den Anzeigenmarkt zu kannibalisieren drohen", so Pasquay weiter. Auch Gärtner gibt pressetext gegenüber zu Bedenken, dass der Aufwand eine Gratiszeitung in Deutschland einzuführen wesentlich größer sei als woanders. "Das Problem ist, dass man in mehreren Ballungsräumen gleichzeitig starten müsste", so Gärtner. Das Investitionsvolumen würde laut Gärtner schätzungsweise zwischen 40 bis 60 Mio. Euro betragen. Dennoch haben Gratiszeitungen ihre Vorzüge, weil sie vor allem ein junges Publikum erreichen. In Europa boomt das Phänomen Gratiszeitung, das auch bei den Medientagen in Wien im September dieses Jahres hoch gelobt wurde (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=060928040 ). Der deutsche Zeitungsmarkt steht aber auch einem weiteren globalen Trend, dem Kleinformat, auch Tabloid genannt, kritisch gegenüber. Zwar wird hier immerhin schon etwas experimentiert. So gibt es mit Welt kompakt und 20 Cent Beispiele für Qualitätszeitungen im Tabloid-Format, allerdings erscheinen sie parallel zum Broadsheet. Das Problem komplett auf Tabloid umzustellen, wie es die Times und der Independent in Großbritannien oder Norwegen vorgezeigt haben, liegt in dem Abrechnungssystem der Anzeigen. Während in anderen Ländern ein Modulsystem eingesetzt wird, bei dem Werbeplätze verkauft werden, ist in Deutschland das Milimeter-System geläufig. Der berechtigten Angst der Verleger, dass bei einer Umstellung auf das kleinere Tabloidformat die Anzeigenpreise sinken, hält Gärtner das Beispiel Skandinavien entgegen. "Bei der Umstellung von Broadsheet auf Tabloid haben die Zeitungen die Preise im Schnitt um 25 Prozent gesenkt. Dennoch haben sie mit den bestehenden Kunden höhere Umsätze gemacht", so Gärtner. (Ende)
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