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Sa, 11.02.2012
pte20061114052 Medien/Kommunikation, Politik/Recht
Gesundheitsakte ELGA: Datenmissbrauch droht
Ärztekammer warnt vor Zwei-Klassen-Medizin
Wien (pte052/14.11.2006/17:45) - Am 1. September gab die noch amtierende Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat den Startschuss für die elektronische lebensbegleitende Gesundheitsakte (ELGA). Dabei soll die gesamte Krankengeschichte des jeweiligen Patienten gespeichert werden. Während das Gesundheitsministerium http://www.bmgf.gv.at damit eine bessere Grundversorgung anstrebt, befürchtet die Wiener Ärztekammer http://www.aek.or.at einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Patienten. Aus diesem Grund erarbeitete die Ärztekammer einen Systemvorschlag, der heute, Dienstag, präsentiert wurde. Generell begrüßt die Ärztekammer die Entwicklungen und Planung auf dem Gebiet des E-Health. Das Gesundheitsprojekt ELGA würde aber einige Gefahren für einen potenziellen Datenmissbrauch bergen. Um diese Gefahrenquellen zu eliminieren, fordert Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, die aktive Einbindung der Ärztekammer in den Entstehungsprozess des Systems sowie eine strenge gesetzliche Regelung für den Umgang mit den Patientendaten. Der Entwurf für eine österreichische E-Health-Strategie der Ärztekammer Wien umfasst die Forderung nach der Wahrung des Datenschutzes und des Hippokratischen Eids der Ärzte, die Datenhaltung durch die Ärztekammer, die freiwillige Nutzung für Ärzte und Patienten, die Finanzierung durch die Regierung sowie eine Prüfung und offizielle Abnahmen vor Einführung des Systems. Die Verwaltung der Daten sollte ausschließlich beim Patienten oder bei einer von ihm beauftragten Person, wie beispielsweise dem Arzt oder einem Angehörigen liegen. "Der Arzt entscheidet sozusagen als 'Anwalt des Patienten' über die Zugriffsrechte und über die Weitergabe einer einzelnen Patientenakte. In jedem Fall aber muss der Patient die letzte Instanz sein, ohne dessen Einverständnis keine Daten weitergegeben werden dürfen", erklärt Norbert Jachimowicz, stellvertretender Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer Wien. Befürchtet wird von Ärzten wie auch Patienten ein Missbrauch der gespeicherten Daten. Ist die gesamte Krankengeschichte eines Menschen zugänglich, so könnte es beispielsweise zu Diskriminierungen bei der Arbeitssuche kommen. Darüber hinaus sieht Jachimowicz die Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin. "Wenn es zu Diskriminierungen auf Grund der Krankengeschichte kommt, könnte es möglich werden, dass wohlhabende Patienten sich die ärztlichen Dienste privat finanzieren, und somit einen Eintrag in das System verhindern", erklärt Jachimowicz im Gespräch mit pressetext. Andere Patienten werden sich dies nicht leisten können und somit würde es zu einer Zwei-Klassenmedizin kommen. "Wir wollen die Menschen nicht verunsichern und ängstigen. Wir wollen die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren", erläutert Jachimowicz gegenüber pressetext. Fakt sei, dass die Überwachung der gesamten Krankheitsgeschichte ein potenzielles Überwachungssystem sein kann. Daher sollten die Menschen über Chancen und Gefahren informiert werden, um selbst zu entscheiden, ob sie das System nutzen wollen oder nicht. Finanzieren soll das System nach Angaben von Jachimowicz die Regierung. "Es existieren keine Daten, Fakten oder Studien die belegen, dass die Einführung eines derartigen Systems notwendig sei", so Jachimowicz gegenüber pressetext. Die Einführung des Systems sei von EU-Seite vorgeschrieben. Obwohl die Ärzteschaft auch auf ein solches System verzichten könnte, würde sie, nach eigenen Angaben, bei der Ausarbeitung mitwirken. Bis Anfang 2008 will das Gesundheitsministerium das Projekt realisieren. Die Ärztekammer steht dem Starttermin eher skeptisch gegenüber. "Die Entwicklung steht gerade am Anfang. 2008 ist eine Wunschvorstellung", so Jachimowicz. Die Einführung der E-Card allein hätte sich schon um sechs Jahre von 1999 auf 2005 verschoben. Wichtig sei hier in jeden Fall aber ein langer Probebetrieb. (Ende)
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