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pte20060609016 Forschung/Technologie, Medizin/Wellness
Schweine als künftige Organspender bevorzugt
Xenotransplantation könnte bald Wirklichkeit werden

Berlin (pte016/09.06.2006/11:00) - Die Xenotransplantation, die Übertragung tierischer Zellen und Organe auf den Menschen, könnte schon bald Wirklichkeit werden. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse hin, die diese Woche auf dem Internationalen Symposium Xenotransplantation im Robert-Koch-Institut in Berlin http://www.rki.de vorgestellt wurden. Vor allem Schweine gelten als aussichtsreiche Kandidaten um den Mangel an transplantierbaren Organen auszugleichen. Die körpereigene Abwehr gegen die Tier-Organe und das Infektionsrisiko durch so genannte porcine endogene Retroviren (PERV) stellen zwar wichtige Hürden dar, aber die Forscher haben in diesen Bereichen in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt.

Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass eine Xenotransplantation erfolgreich durchgeführt werden kann. So haben Wissenschaftler der Universität Minnesota http://www1.umn.edu Inselzellen des Hausschweins auf an Diabetes erkrankte Affen übertragen und die Tiere damit erfolgreich behandelt (pressetext berichtete: http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=060222023 ). Auch Übertragungen von Schweineherzen auf Paviane gelten als Vorstufe zur klinischen Anwendung beim Menschen. In diesen Studien der Mayo-Klinik in Rochester http://www.mayoclinic.org erreichten die Affen Überlebenszeiten von bis zu 130 Tage, die vergleichbar sind mit den Überlebenszeiten vor Beginn der Transplantationen von Spenderherzen beim Menschen in den 60er-Jahren.

Schweine spielen in der Xenotransplantation die Hauptrolle, weil sie einen ähnlichen Stoffwechsel wie der Mensch haben, eine relativ große mikrobiologischen Sicherheit bieten und kostengünstig sind. "Hindernisse für die Xenotransplantation sind dennoch die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems, die physiologischen Unterschiede zwischen Tier- und Menschenorganen und die mögliche Übertragung von Mikroorganismen", sagt Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts, anlässlich der Tagung.

Porcine Mikroorganismen, insbesondere so genannte porcine endogene Retroviren (PERV), stellen ein besonderes Problem dar, da sie im Genom aller Schweine vorhanden sind und menschliche Zellen infizieren können. Um diesen Viren die Stirn bieten zu können, entwickelten Forscher des Robert Koch-Instituts diagnostische Verfahren zur Evaluierung der Virussicherheit sowie verschiedene Strategien zur Minimierung der Übertragung von PERV bei der Xenotransplantation.

Auch bei der Verringerung der Abstoßungsreaktionen gab es in den letzten Jahren wichtige Fortschritte. So generierten Wissenschaftler von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft http://www.fal.de in Deutschland erstmals Schweine mit verschiedenen menschlichen Gensequenzen, die die längerfristige Akzeptanz des fremden Gewebes verbessern sollen. Weitere Strategien zur Verhinderung der Abstoßung werden entwickelt.

"Vor zehn Jahren waren wir in einer ähnlichen Situation: Auch damals wurden im Bereich der Xenotransplantation viele Fortschritte erzielt und wurde erwartet, dass die klinische Anwendung innerhalb von drei Jahren Realität sein würde", relativiert Hans Schlitt, Transplantationschirurg an der Universität Regensburg http://www.uni-regensburg.de , die Entwicklungen im pressetext-Interview. Das Problem sei jedoch, dass mit jedem Fortschritt auch immer wieder eine Menge neue Hürden auftauchen. "Daher erwarte ich, dass es noch lange dauern wird, bis die Xenotransplantation klinische Realität wird", so Schlitt abschließend.

(Ende)

Aussender: pressetext.deutschland
Ansprechpartner: Reanne Leuning
Tel.: +43-1-81140-305
E-Mail:
pressetext.deutschland
   
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