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| Alcatel Austria-Chef Franz Hofbauer |
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Wien (pte005/17.12.2005/08:00) -
Mit dem One-Deal hat Alcatel Austria ein Riesengeschäft an Land gezogen, das sich kräftig in den Zahlen für 2005 niederschlägt und auch Auswirkungen auf die kommenden Bilanzen haben wird. Aber die IT-Branche schläft nicht, ist im Umbruch und jeder Player steht unter Druck. Wie Alcatel Austria damit umgeht, was 2006 an Trends zu erwarten ist und wie er das Kerngeschäft des Unternehmens weiter forcieren will, verrät Franz Hofbauer, Generaldirektor von Alcatel Austria, im WirtschaftsSamsTalk mit pressetext:
pressetext:
Wie sind Sie denn mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr rückwirkend zufrieden?
Hofbauer:
Alcatel Austria ist mit dem Jahr 2005 sehr zufrieden. Es war das zweite Jahr in Folge, das besonders erfolgreich war. Wir wachsen heuer im Umsatz auf 280 Mio. Euro. Das war deutlich mehr, als nach dem Branchentrend zu erwarten gewesen wäre. Wir sind in allen Geschäftsbereichen eigentlich schön gestiegen. Dazu muss man sagen, dass der gesamte Konzern auf 13 Mrd. Euro oder acht Prozent gewachsen ist.
pressetext:
Wie sehr spielt in diesen Zahlen der One-Deal eine Rolle. One hat ja Errichtung, Planung und Betrieb des Netzausbaus an Alcatel ausgelagert?
Hofbauer:
Sehr, es war schlechthin das Ereignis, das unsere Bilanz am stärksten geprägt hat. Wir reden hier immerhin von einem Volumen von 480 Mio. Euro auf sieben Jahre. Und wir haben ja auch 200 Leute übernommen, das hat einen Sprung von 20 Prozent im Umsatz ausgemacht.
pressetext:
Ende September haben die ÖBB und die MAV, also die ungarischen Staatsbahnen, das ETCS - European Train Control System - vorgestellt, das Alcatel mit Siemens entwickelt hat.
Hofbauer:
Richtig. Auch ein Meilenstein in diesem Jahr. Wir haben ja drei große Vertriebsbereiche: Festnetzkommunikation, Mobilkommunikation und Eisenbahnsicherungstechnik. Und jeder Punkt zeichnet sich durch einen starken Serviceanteil aus. Das ist deshalb so wichtig, weil dieser Teil schon mehr als die Hälfe unseres Umsatzes ausmacht. Im Bereich der Tansportautomation ist der Hauptwachstumsfaktor ETCS. Bisher ist ETCS von den Zahlen her aber ausschließlich beim Export relevant. Wir sind als Alcatel Austria das Kompetenzzentrum für ETCS Level One - darunter versteht man die Zugbeeinflussung bei Geschwindigkeiten von bis zu 180 km/h. An dieser Technologie besteht großer Bedarf und das wird von Wien aus exportiert. Die Ausschreibung in Österreich ist gelaufen, die Ergebnisse werden die ÖBB in den kommenden Tagen bekannt geben. Wir sind sehr optimistisch, dass wir auch in Österreich am Heimmarkt in diesem Segment erfolgreich sein werden.
pressetext:
Welche Bedeutung hat der Behördenfunk?
Hofbauer:
Auch sehr wichtig für uns. Wir haben mit Motorola die Firma Tetron gegründet. Wegen der EU Präsidentschaft ist bereits Wien und Tirol damit versorgt, jetzt kommen Niederösterreich und die Steiermark dran. Wir wollen innerhalb der kommenden vier Jahre Österreich flächendeckend mit dem TETRA-System ausstatten.
pressetext:
Wie sehen Sie die Zukunft der klassischen TK-Systeme (also Telefonanlagen),
durch die Ablöse mit VoIP-Systemen (Voice over Internet Protokoll - Sprache
über Datennetze)?
Hofbauer:
In allen Bereichen, ob das jetzt die Infrastruktur der Netzbetreiber oder die Bürokommunikation ist, wird sich IP immer mehr durchsetzen. Ganz klar: wenn man von den Endkunden ausgeht, geht es um die Vernetzung der Sprachtelefonie mit den Datensystemen und den entsprechenden Rationalisierungsmöglichkeiten die sich daraus ergeben. Unsere Omni-Serie deckt alles ab. Die Kunden haben nicht das Gefühl, dass sie einen großen Technologiesprung vor sich haben. Die Verwendung kann kundenindividuell unterschiedlich gestaltet werden.
pressetext:
Wie sehr steht man durch den "Call Manager" von Cisco, eine wirkliche reine VoIP Lösung - unter Druck? Verliert Alcatel hier an Boden?
Hofbauer:
Der Call Manager von Cisco ist ein Produkt, das rein nur IP Telefone betreiben kann. Der Alcatel OmniPCX Call Server kann beides verbinden, traditionelle Telephonie (Digitale Apparate, Analoge Engeräte, DECT Telefone) und IP (IP Apparate, XML- Applikationen, SIP Technologie). IP Lösungen von Alcatel stellen den Anwender in den Mittelpunkt und sind darauf ausgerichtet, seine Arbeit zu erleichtern. Das stellt ein wesentliches Unterscheidungskriterium zu Cisco dar, wo das Datennetzwerk im Mittelpunkt steht.
pressetext:
Wie sehen Sie die Zukunft der Carrier (Provider wie Tele2UTA, Inode,
Telekom Austria) die ebenfalls VoIP-Lösungen (z.B von Cisco oder Kapsch) direkt anbieten und somit zu einem neuen Mitbewerber werden können?
Hofbauer:
Naja, nicht unbedingt neue Mitbewerber. Die TA hat immer schon diese Produkte auch angeboten und ist als Händler aufgetreten. Es war und ist ein Spezifikum des Marktes, dass die Kunden das Equipment entweder beim Hersteller oder über die Betreiber, TA als Marktführer also, kaufen konnten. Ob jetzt aber die alternativen Betreiber stärker auftreten können? Ich sehe im Moment keine Verschiebung am Markt, die TA ist da sehr gut aufgestellt. Schon allein wegen der Flächenabdeckung, der Größe und der Bekanntheit. Aber so wie bei den Festnetzkunden: durch die Entbündelung gewinnt der Markt der Alternativen natürlich an Bedeutung. Nur nach den ersten Fortschritten hat die TA es gut verstanden, den Markt zu stabilisieren und ich glaube, dass das auch bei der Bürokommunikation der Fall sein wird.
pressetext:
Sind hier strategische Partnerschaften geplant?
Hofbauer:
Nein, etwas Neues ist nicht geplant. Wir haben sehr starkes In- und Outsourcing auf der Telekom-Service Seite betrieben. Wir haben begonnen, die Teleringwartungsmannschaft zu übernehmen. Dann die technische Infrastruktur von ABB und dann Wartung, Betrieb und Service von One übernommen. Umgekehrt haben wir Logistik, Transport und Facility-Management ausgelagert.
pressetext:
Im Oktober hat Alcatel mit T-Mobile International einen Vertag abgeschlossen, der die zukünftige Zusammenarbeit zwischen den europäischen Landesgesellschaften regelt - warum und warum nur mit T-Mobile?
Hofbauer:
Alcatel ist mit T-Mobile in vielen Ländern partnerschaftlich gut aufgestellt. Besonders in Deutschland und den USA. Wir werden in Zukunft intensiver mit T-Mobile Österreich zu tun haben und natürlich wird dieser Rahmen auch für Geschäfte in Österreich gelten.
pressetext:
Die IT Branche kämpft mit einem Preisverfall, speziell im Bereich Router und Switches sind nur mehr Spannen um 3-5 Prozent die Regel. Wie gehen Sie damit um?
Hofbauer:
Das betrifft selbstverständlich die Telekommunikationsbranche genau so. Wir müssen aufpassen, dass wir kein Boxverkäufer werden wie viele andere auch, wir müssen uns differenzieren, indem wir Lösungen anbieten. Gesamtlösungen als Integration von sehr vielen Elementen.
pressetext:
Stichwort: Ostgeschäft. Alcatel ist hier ebenfalls sehr aktiv - zufrieden mit dem Status Quo?
Hofbauer:
Vom Konzern her gesehen absolut, die höchsten Wachstumsraten sind genau dort zu finden, das geht bis Russland und die kaukasischen Republiken. Grundsätzlich bieten Emerging Markets das größere Wachstum als gesättigte Märkte. Für Alcatel Austria gilt: wir haben nicht einzelne Länder als Verantwortungsbereiche, sondern je nach Produktgruppen spezifische Verantwortungen. Das gilt besonders stark für den schon vorher erwähnten Eisenbahnsicherungsverkehr.
pressetext:
Ihr Unternehmen hat ein Übernahmeangebot für den französischen IT- und Rüstungskonzern Thales gelegt ....
Hofbauer:
... Alcatel hat derzeit neun Prozent Anteil an der Thales-Gruppe, es wird über Gespräche berichtet, diesen aufzustocken. Mehr kann ich dazu derzeit nicht sagen.
pressetext:
Was erwarten Sie denn vom kommenden Jahr für das Unternehmen? Welche Trends werden kommen oder welche werden sich durchsetzten oder eben nicht?
Hofbauer:
Für Alcatel selbst erwarte ich mir nach dem starken Wachstum der letzten beiden Jahre eine gewisse Konsolidierung sowohl beim Umsatz als auch bei den Aktivitäten. Starke Auswirkung auf das Jahr 2006 wird die Kooperation mit T-Mobile haben bzw. wie die Gespräche nach der Übernahme von telering laufen werden.
pressetext:
Welche Trends sehen Sie, was wird sich durchsetzten, was kommt?
Hofbauer:
Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass im Festnetz die Breitbanddurchdringung - sprich ADSL - weiter zunehmen wird. Österreich hat hier gerade im letzten Jahr sehr stark aufgeholt. Über 30 Prozent aller Haushalte haben schon einen Breitbandanschluss. Dabei wird diesem Gebiet - auch durch den IKT Masterplan - sicher zukünftig noch mehr Beachtung geschenkt werden. Was die Mobilkommunikation betrifft, war 2005 ein vom Regulator geforderter Meilenstein eine 50-prozentige UMTS-Abdeckung zu erreichen. Da wird im kommenden Jahr sicher weniger investiert werden, weil der Druck wegfällt. Bei der für uns so wichtigen Eisenbahntechnik bin ich sehr optimistisch, sowohl für das In- als auch für das Ausland.
pressetext:
Wie beurteilen Sie denn den IKT Masterplan
Hofbauer:
Ich denke, dass er sehr professionell ist. Alcatel ist ja Mitglied der ARGE-Breitband und wir sind hier sehr engagiert. Die größte Schwierigkeit sehe ich jetzt in der politischen Umsetzung. Es gibt niemand, der für die Umsetzung quasi verantwortlich und zuständig ist. Ich habe auch ein wenig die Angst, dass durch die österreichische EU-Präsidentschaft diese Anliegen etwas in den Hintergrund gedrängt werden.
pressetext:
Wird nicht die Weiterentwicklung des Festnetztes auch ein Thema sein?
Hofbauer:
Ja, Sie haben vollkommen recht. Und zwar von der reinen Sprachtelefonie hin zu Broadband Internet. Und dann ist auch noch das interaktive Fernsehen ein wesentlicher Punkt Stichwort Triple Play: Sprache, Internet und Video. Da werden ganz neue Methoden des Fernsehens eine Rolle spielen. Community - TV etwa oder auch ein vom Teilnehmer selbst gestalteter Programmablauf. Das heißt, der Seher kann selbst definieren, welche Themen für ihn interessant sind. Bei den Electronic Programm Guides kann er da etwa entsprechende Parameter eingeben. Dann bekommt er eine Auflistung, wann welche Sendungen laufen und kann dann selber wählen, wann er was sehen will. Die Telekommunikation bietet auch technische Möglichkeiten zum "way better TV" - also dass man besser fernsehen kann. Beispiele: man kann die Kameraeinstellung selbst wählen, man kann dabei chaten, es geht stärker in die Richtung von Community-TV. Die BBC ist etwa verpflichtet, der British Telecom und anderen Serviceprovidern Kulturprogramme zur Verfügung zu stellen, die diese dann wieder ausstrahlen können. Da ist in Österreich noch ein breites Feld offen. Kernproblem wird allerdings hier weniger die technische Realisierung sein, sondern ob die User bereit sein werden, dafür zu zahlen.
pressetext:
Danke für das Gespräch
(Ende)