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pte20051112012 Computer/Telekommunikation, Medien/Kommunikation
WirtschaftsSamsTalk - Serentschy: VoIP ein schwammiger Begriff
RTR-Chef Serentschy: "Gutes altes Telefon bleibt uns erhalten"
Serentschy
Serentschy
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Wien (pte012/12.11.2005/14:00) - pressetext:
Die RTR hat Richtlinien für die Internet-Telefonie erlassen. Gibt es schon erste Erfahrungswerte?
Serentschy:
Das ist ein Prozess, der sich international erst in Bewegung und Harmonisierung befindet. Wir haben relativ früh erste Richtlinien erlassen, haben die konsultiert, sind dann mit weiter entwickelten Richtlinien wieder in Konsultation gegangen und haben das Ergebnis dieser Diskussion mit dem Markt gemeinsam mit einer FAQ-Liste veröffentlicht (Link siehe ganz unten). Unsere VoIP-Richtlinien sind international stark beachtet worden, sie sind nun auch auf der Homepage der ITU, der International Telecommunication Union zu sehen.

pressetext:
Wird man nun verglichen?
Serentschy:
Eines ist klar, selbst das größte Land kann das Thema VoIP nicht alleine behandeln. Das Wesen eines Dienstes auf der Basis von VoIP besteht darin, dass eine Trennung zwischen Transport und Dienst besteht. Aus diesem Grund und weil das Transportnetz ein internationales ist, nämlich das Internet, kann die Diensterbringung global erfolgen und zwar auch aus einem x-beliebigen Land heraus. Das macht die Regelung von VoIP zu einem Paradefall für die internationale Kooperation.

pressetext:
Gibt es diese Regelung auch schon in anderen Ländern?
Serentschy:
Es gibt nationale Regulierungsvorschläge, aber das entscheidende für mich ist, dass diese international harmonisiert werden müssen. Durch die Tatsache, dass eine exterritoriale und globale Diensterbringung möglich ist, ist internationale Harmonisierung unbedingt erforderlich. Man kann einen extratorrial erbrachten Dienst nicht in einem Land so und im anderen anders regeln.

pressetext:
Wie sehr mischt sich die EU hier ein oder gilt hier nationales Recht vor EU Recht?
Serentschy:
Der Punkt ist der, dass Kunden, die einen Dienst nützen, den sie als Telefondienst wahrnehmen, weil eben das Gerät so ähnlich aussieht oder simpel Sprache übertragen wird, dann auch gewohnte Funktionalitäten, wie man sie in der Sprachtelefonie hat, wie zum Beispiel einen Notruf machen zu können, erwarten. Weil dem so ist, ist es unabdingbar, dass das auch international so funktioniert. Damit wird die internationale Koordination zur Schlüsselfrage für VoIP.

pressetext:
Gegen ausländische Anbieter - etwa Skype - gibt es keine Sanktionierungsmöglichkeiten? Ist das nicht eine unbehebbare Schwachstelle?
Serentschy:
Das Enforcement, also das Durchsetzen von nationalen Regelungen gegenüber globalen Diensterbringern ist im Augeblick eine unbefriedigende Situation, keine Frage. Es gibt allerdings bereits Gespräche von Skype mit nationalen Behörden, aber es fehlen derzeit noch die Durchsetzungsmöglichkeiten.

pressetext:
Ist ein Enforcement überhaupt notwendig? Wäre es nicht geschickter, durch Verhandlungen mit dem Anbieter zu einer befriedigenden Lösung kommen?
Serentschy:
Das ist eine Möglichkeit. Letztlich geht es um die Frage: was ist ein Telefondienst, was ein Kommunikationsdienst. Und genau diese Fragen sind in den einzelnen Ländern derzeit noch unterschiedlich geregelt. In den USA hat die FCC, also die Regulierungsbehörde, eine sehr spektakuläre Anforderung an die so genannten interconnected VoIP-Betreiber erlassen: diese müssen jetzt alle sog. Enhanced Emergency Services anbieten. Das stellt vor allem kleinere Anbieter vor sehr große Probleme.

pressetext:
Was heißt das jetzt genau für den Markt?
Serentschy:
Der Punkt ist der: wenn ich heute ein Festnetztelefon habe, dann weiß im "Röchelfall" die Einsatzzentrale, wo dieser Ruf abgesetzt wurde. D.h. wenn ich mich nicht mehr artikulieren sondern nur mehr anrufen kann, dann weiß die Einsatzzentrale, wo der Notfall ist. Wenn das aber nicht mehr möglich ist, und bei einem VoIP Anruf ist das zum Teil nicht - leicht - machbar, dann muss ich dafür Lösungen schaffen, wie diese Funktionalität sichergestellt werden kann.

pressetext:
Laut einer aktuellen Deloitte-Studie wird sich das Marktvolumen im Bereich VoIP rund um den Globus bis 2010 auf eine Bio. Dollar erhöhen - pressetext berichtete: http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=051110004. Wie schätzen Sie die Entwicklung in Österreich ein, wie hoch ist das Umsatzvolumen derzeit wohin wird es sich entwickeln?
Serentschy:
Es gibt keine Zahlen darüber, das ist ein Problem, wir wissen nicht einmal genaue Zahlen der Verkehrsminuten. Dazu kommt, dass VoIP ein schillernder Begriff ist. Wir unterscheiden zwischen Voice over Broadband (VoB), ein Dienst, wie ihn zum Beispiel Inode anbietet. Hier wird der Breitbandanschluss zur Verfügung gesellt und gleichzeitig ein Telefondienst, der auf der Technologie VoIP beruht. Dafür können auch geographische Rufnummern verwendet werden. Und dann gibt es einen Dienst, den nennen wir Voice over Internet (VoI), ein Dienst, wie ihn z.B. Skype anbietet, der keiner Regulierung unterliegt. Voice over Internet, von Computer zu Computer oder PDA zu PDA ohne Übergang in das herkömmliche Telefonnetz bedarf keiner Regelung. Man muss daher den Begriff VoIP auf konkrete Dienste herunter brechen.

pressetext:
Können die den pressetext-Lesern das an Hand eines Beispiels verdeutlichen?
Serentschy:
VoIP kann z.B beschreiben, wie innerhalb so genannter Corporate Networks, d.h. innerhalb von Firmen, die verschiedene Niederlassungen haben, telefoniert wird. Oder im Kernnetzwerk eines Telekom-Anbieteres, oder von PC zu PC, etc., die Frage ist immer die der Abgrenzung, was genau meint man damit. Wieviel, wie schnell vom klassischen leitungsvermittelten Telefonnetz hinüberwandert in einen VoIP Dienst ist derezit noch nicht ganz klar.

pressetext:
Wie schätzen Sie denn die Akzeptanz der Unternehmen hinsichtlich dieser neuen Technologie ein?
Serentschy:
Es gibt immer mehr Unternehmen, die ihre Telefonanlagen auf die VoIP-Technologie umstellen. Dieser rapide Prozess macht sich vor allem bei den großen Unternehmen bemerkbar. Jetzt geht´s um die KMUs und die privaten Kunden. Ich glaube bei den privaten Kunden tut sich relativ viel, weil die Breitbandanbieter anfangen, VoIP-Services anzubieten - voice over broadband. Man muss immer unterscheiden, was tut sich auf corporate level, was in den backbones, ich glaube dass vor allem im Segment der Privaten die Zahlen schneller ansteigen, als viele glauben.

pressetext:
Wird die IP-Telefonie die klassische Telefonie verdrängen?
Serentschy:
Das wird ein sehr langer Prozess, in einigen Segmenten kann es schneller gehen, aber wann das gute alte klassische Telefon ausgedient hat, ist derzeit noch nicht absehbar.

pressetext:
Wie schaut es mit den mobilen Zusammenschaltungsgebühren aus? Sind die schon geregelt?
Serentschy:
Das behördliche Verfahren läuft derzeit noch. Es ist auch noch zu überprüfen, ob durch den geplanten Zusammenschluss zwischen T-Mobile und Telering sich da möglicherweise ein neues Bild ergibt.

pressetext:
Wie beurteilen Sie den Kauf von telering durch T-Mobile - wie viele Anbieter verträgt das Land?
Serentschy: Für uns stellt sich diese Frage anders. Hier sind Marktkräfte am Werk. Wir als Wettbewerbsbehörde müssen nun beurteilen, ob und wie stark es dadurch zu Wettbewerbseinschränkungen für die Kunden kommt. Wenn das so ist, muss eingegriffen werden. Da das ein derzeit laufendes Verfahren ist, bitte ich Sie und die pressetext-Leser um Verständnis, dass ich mich dazu jetzt nicht näher äußern kann.

pressetext:
Danke für das Gespräch.

Link Richtlinien-Diskussion: http://www.rtr.at/web.nsf/deutsch/Portfolio_Stellungnahmen_nach%20Datum_Stellungnahmen_RichtlinienVoIP?OpenDocument

(Ende)

Aussender: pressetext.austria
Ansprechpartner: Dietmar Zeiss
Tel.: ++43-1-81140-319
E-Mail:
pressetext.austria
   
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