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Sa, 11.02.2012
pte20040726023 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie
Herzmedikament speziell für Afro-Amerikaner
Studie löst Kontroverse über Rasse als Grundlage für Verschreibungen aus
Lexington, Massachusetts (pte023/26.07.2004/12:20) - Ein Herzmedikament, das an schwarzen Patienten getestet wurde, könnte das erste Präparat werden, das für den Gebrauch einer spezifischen ethnischen Gruppe bewilligt wird. Wissenschaftler diskutieren indes, ob die Rasse als Grundlage bei Verschreibungen dienen kann. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature http://www.nature.com . Ein Versuch mit dem Medikament, das von dem Pharmaunternehmen NitroMed http://www.nitromed.com/ in Massachusetts entwickelt wurde, wurde in den 80er Jahren abgebrochen, weil die Ergebnisse wenig überzeugend waren. Weil aber die Daten auf Unterschiede zwischen den Reaktionen von weißen und schwarzen Patienten hinwiesen, hat NitroMed 2001 beschlossen, weitere klinische Tests ausschließlich an Afro-Amerikanern durchzuführen. Nun hat das Unternehmen das Ende der Versuchsphase bekannt gegeben, weil die Ergebnisse sehr effektiv sind. "Ich bin so aufgeregt darüber", sagt die Studienleiterin Anne Taylor von der Universität Minnesota http://www1.umn.edu/ in Minneapolis. Wenn das Medikament unter dem Namen BiDil seine behördliche Zulassung erhält, möchte es NitroMed Anfang 2005 auf den Markt bringen. Aber BiDil belebt die Kontroverse darüber, ob und wie die Rasse bei der Verschreibung von Medikamenten einbezogen werden soll. In der Klinik müssen die Ärzte beispielsweise klassifizieren, wer als Afroamerikaner einzustufen ist, und das in einer ethnisch gemischten Bevölkerung. "Es wird wirklich problematisch", so Sandra Soo-Jin Lee, eine Anthropologin, die sich mit "Rasse in der Wissenschaft" an der Stanford University http://www.stanford.edu/ in Kalifornien auseinandersetzt. Ärzte wissen schon lange, dass verschiedene ethnische Populationen eine unterschiedliche Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten besitzen oder unterschiedlich auf Medikamente reagieren. Beispielsweise weisen die Beipackzettel von herkömmlichen Herzmedikamenten, den so genannten ACE-Hemmern, darauf hin, dass diese bei schwarzen Menschen weniger effektiv sein können. BiDil enthält zwei generische Präparate, die gemeinsam die Produktion von Stickstoffoxiden erhöhen, einem Molekül, das die Blutgefäße entspannt und die Belastung des pumpenden Herzens entschärft. Taylor glaubt, dass Afro-Amerikaner, die eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Herzleidens aufweisen, besser reagieren, weil sie meistens ein niedrigeres Niveau von Stickoxiden haben als andere ethnische Gruppen. Einige Wissenschaftler argumentieren jedoch, dass die Rasse unzureichend bei der Einschätzung der Resonanz auf ein Medikament ist. "Ich glaube die Pigmentierung der Haut sagt wenig über die Herzfunktion aus", so Howard McLeod von der Washington University http://www.wustl.edu/ in St Louis, Missouri. McLeod behauptet, dass es besser ist unabhängig von der Rasse die genetischen Variationen zu identifizieren, die kontrollieren, ob der Körper gut auf ein Medikament reagiert,. Im Fall von BiDil scheint die genetische Differenz besonders bei der afro-amerikanischen Bevölkerung aufzutreten. Aber derselbe genetische Unterschied könnte auch, mit niedrigerer Häufigkeit, bei Kaukasen, Asiaten oder anderen ethnischen Gruppen vorliegen. Das genetische Argument wird von einer Studie aus dem Jahr 2001 unterstützt. Damals haben britische Forscher eine Versuchsgruppe in vier Untergruppen geteilt, die auf 40 genetischen Markern basierten. Sie fanden heraus, dass diese Gruppen eine bessere Vorhersage über die Wirkung eines Medikaments zuließen als ethnische Gruppen. Taylor bestätigt diese Argumente und sagt, sie plane Gen-Scans mit jenen Patienten, die gut auf BiDil reagierten, um die Gene zu identifizieren, die die Reaktion eines Patienten vorhersagen. Bis diese Ergebnisse vorliegen, kann die Rasse aber als vernünftiger Ersatz bei Verschreibungen dienen, die auf Basis der medizinischen Geschichte eines Patienten erfolgen. Taylor fordert außerdem, dass in den traditionell von Weißen dominierten klinischen Versuchen Patienten aller ethnischen Gruppen berücksichtigt werden, so dass Unterschiede in den Reaktionen von Anfang an dokumentiert werden. (Ende)
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