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Sa, 11.02.2012
pte20040726015 Umwelt/Energie, Politik/Recht
US-Atommülllager-Reinigung als tickende Zeitbombe
Größtes Umweltsanierungsprojekt steht unter gefährlichem Stern
Boston (pte015/26.07.2004/11:11) - Das Risiko, dass bei der Reinigung der Atommülllagerstätten im Hanford Nuclear Complex im Bundesstaat Washington ein Unfall passiert, steht 50 zu 50, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com . Zu diesem Schluss kommt der Experte Bob Alvarez, Umweltberater der Regierung Clinton. Das hohe Risiko wird durch den Zeitdruck, mit der die Lagerstätte gereinigt werden soll, noch erhöht, schreibt der Forscher in der September-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Princeton University "Science and Global Security". In den vergangenen 50 Jahren haben neun Kernreaktoren im 1.500 Quadratkilometer großen Areal 67 Tonnen Plutonium für die Atomwaffenproduktion aufgearbeitet. 2002 hat das Energieministerium DOE beschlossen die Lagerstätte innerhalb von 30 Jahren zu reinigen. Dafür wurde ein Budget von 50 Mrd. Dollar veranschlagt, das auch dafür verwendet werden soll 190 Mio. Liter flüssigen radioaktiven Abfall, der in 177 unterirdischen Tanks lagert, zu entsorgen. Nach Angaben von Alvarez entsprechen die Kosten und die Komplexität der Aufarbeitung und Reinigung des Hanford Komplex das bemannte Raumfahrtprogramm der USA. "Der einzige Unterschied ist jedoch, dass dieses Projekt nachhaltige Konsequenzen auf die Umwelt und auf die Menschen haben wird", meint der Experte, der davon ausgeht, dass auch ohne gröbere Unfälle das Grundwasser und der benachbarte Fluss verseucht werden. Kritik und Sorge kommt auch von einem Fachmann, der mehr als 25 Jahre in Hanford tätig war: Der Chemiker Allyn Boldt weiß, dass die Aufarbeitung der Atommülllagerstätte ein Politikum darstellt und es um Karrieren geht. Diese Voraussetzungen seien nicht günstig, meint der Experte, der meint, dass selbst unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen eine zukünftige Trinkwasserentnahme über eine Distanz von 260 Kilometern in den kommenden 10.000 Jahren nicht möglich sein wird. Darüber hinaus werden immer noch einige Quadratkilometer von Hanford über einen Zeitraum von mehreren 100.000 Jahren zu einer nationalen Sicherheitszone erklärt werden. Das DOE sieht die Herausforderungen um die Atommülllagerstätte und machte aus der Not eine Tugend. Hanford werde das größte Umweltsäuberungsprojekt der Welt. Außerdem sind die Forschritte seit dem Start im Jahr 2000 vorbildlich vor sich gegangen, argumentieren die staatlichen Behörden, denn eine neue Aufbereitungsanlage sei bereits zu 25 Prozent fertig gestellt und wird spätestens 2011 den gefährlichsten Müll aufarbeiten. Bis 2035, 35 Jahre früher als ursprünglich geplant, soll Hanford gereinigt sein. Gerade darin sieht Alvarez die große Gefahr: eine Dampfexplosion im Schmelzer, in dem radioaktiver Abfall mit geschmolzenem Glas vermischt wird. Seit 1991 gab es mindestens acht Zwischenfälle, darunter auch zwei Dampfexplosionen. (Ende)
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