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pte090202013 Politik/Recht, Bildung/Karriere |
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Vergessene der Wirtschaftskrise: Waisenkinder der Ukraine
Intensive Betreuung lindert die Misere verlassener Kinder
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| Für sie mehr als ein "Tropfen auf dem heißen Stein": Kinder im Waisenhaus (Foto: Dmitrij Markov) |
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Kiew/Mauerbach
(pte/02.02.2009/12:15) -
Kinder der Region Kiew sind in besonderer Weise Leidtragende der wirtschaftlich labilen Lage, in der sich die Ukraine derzeit befindet. Das sagt Viktor Simon, Generalsekretär der Caritas-Spes Ukraine http://www.caritas-spes.org.ua/en, im pressetext-Interview. Seine Organisation betreibt fünf Waisenhäuser, die dem Problem der katastrophalen staatlichen Versorgung der Waisenkinder entgegenwirken soll. Unterstützt wird die Arbeit von Spenden aus Westeuropa, Patenschaften sichern den laufenden Betrieb.
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist von der Wirtschaftskrise voll betroffen. "Früher kamen zahlreiche Gastarbeiter aus den ländlichen Regionen der Ukraine nach Kiew und fanden hier Arbeit", berichtet Simon. Die Situation dieser Menschen hat sich in den letzten Monaten zum Schlechten gewendet. "Viele Baufirmen schließen und müssen ihre Mitarbeiter entlassen. Gleichzeitig schaden die explodierenden Gaspreise der Industrie und erhöhen die Lebenskosten." Ein Teil der Arbeitslosen kehrt wieder in die Dörfer zurück ohne dort neue Perspektiven vorzufinden. Wer in der Stadt bleibt, ist vom sozialen Abstieg und seinen negativen Begleiterscheinungen gefährdet. Neben dem Alkoholismus sei in letzter Zeit laut Simon auch die Drogenproblematik rapide angestiegen sowie die Zahl der HIV-Infizierten. Der Aufschwung sei kaum in Sicht, denn die Korruption im Land sei hoch und das Vertrauen in das Rechtssystem sehr gering. "Hoffnung bedeutet für Jugendliche oft nur die Auswanderung nach Italien oder Spanien", so der Caritas-Sprecher.
Das letzte Glied dieser Kette sind elternlose Kinder. "Mehrere Hunderttausend Kinder haben in der Ukraine keine Eltern, da man diesen aufgrund ihrer Lebenssituation die Fürsorge entzogen hat", erklärt Simon. Anders als in Westeuropa gebe es kaum Familien, die eine Adoption überlegen. "Die Angst vor der Armut ist groß. Viele glauben, ihren Kindern keine Zukunft bieten zu können, was sich auch in der hohen Zahl von Abtreibungen ausdrückt." Haben die Kinder keine Verwandten, landen sie in staatlichen Waisenanstalten, die jährlich um ihre Finanzierung kämpfen müssen. "Zuständig für jedes Heim sind die lokalen Verwaltungen. Doch drei Viertel aller ukrainischen Gemeindebudgets sind defizitär." Um Personal zu sparen, wohnen in jedem staatlichen Heim mehr als 50 Kinder. Simon zeigt große Sorge um die Betreuung in diesen Anstalten. "Es ist den in Schicht arbeitenden Betreuern kaum möglich, zu den Kindern eine psychologische Beziehung aufzubauen. Viele Kinder werden in Folge nach dem Erwachsenwerden selbst zu Problemfällen. Die Mädchen werden früh schwanger, viele landen in Kriminalität und Prostitution oder sind mit täglicher Gewalt konfrontiert. Der Teufelskreis geht weiter."
Das Prinzip der "Familienhäuser" ist die Antwort der Caritas-Spes auf diese Problematik. Nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer wohnen höchstens zehn Kinder unterschiedlichen Alters in einem Haus. Sie werden von weiblichen Betreuerinnen versorgt, die auch bei den Kindern wohnen. Damit soll eine familiäre Atmosphäre erreicht werden. "Es gelingt auch. Werden Kinder aus staatlichen Waisenhäusern in der Schule nach ihrer Wohnadresse gefragt, geben sie nie Auskunft. Unsere Kinder sagen, sie gehen nach Hause", berichtet Simon. Aufgenommen werden vorwiegend Kinder, die keinen Platz in den staatlichen Häusern finden. Derzeit wohnen im Großraum Kiew 44 Kinder in fünf Caritas-Spes-Waisenhäusern, die innerhalb der letzten zehn Jahre errichtet wurden. Der Bau der Häuser wurde vorwiegend von Wohltätigkeitsorganisationen in Westeuropa und von ukrainischen Industriellen finanziert, für die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs sorgen neben der geringen staatlichen Förderung auch Patenschaften aus Westeuropa. "Wir möchten künftig noch weitere Häuser eröffnen, um mehr Kindern Hilfe zu bieten. Dafür sind wir aber auf Spenden angewiesen", betont der Caritas-Generalsekretär.
Einer der Unterstützer der Häuser ist der gemeinnützige Verein Kleine Herzen http://www.kleineherzen.org. Pascale Vayer, ehrenamtliche Vereinsobfrau und selbst Adoptivmutter von drei ausländischen Kindern, besucht die Kiewer Waisenhäuser regelmäßig und ist überzeugt von der hier geleisteten Arbeit. "Die Kinder erhalten menschliche Wärme, die sonst durch nichts zu ersetzen ist", so Vayer gegenüber pressetext. Die frühere IT-Spezialistin organisiert heute Patenschaften von Personen, die sie vor allem durch persönliche Kontakte kennt. "Die Paten sind sehr aktiv. Viele zahlen nicht nur 30 Euro pro Monat, sondern schicken 'ihren' Kindern auch Fotos oder Kleinigkeiten, manche besuchen sie sogar. Diese Unterstützung ist für die Kinder sehr wichtig." Darüber hinaus wurden Projektpartner wie der Opec Fund For International Development OFID http://www.ofid.org gewonnen.
Derzeit sucht Vayer dringend Spender für ein Kiewer Waisenhaus, das eine Explosion zu Jahresbeginn völlig zerstörte. Dem neu errichteten Haus hatten vor der geplanten Eröffnung im Frühling nur noch einige Installationen und die Inneneinrichtung gefehlt. Eine Gasflasche, die den beiden Wächtern des Baus zum Heizen diente, erwies sich jedoch als defekt. Sie detonierte, zerstörte das Haus völlig und tötete einen der Wächter, während der andere mit schweren Verletzungen davonkam. Zur Finanzierung des Wiederaufbaus des Hauses wurde ein Buch veröffentlicht, das auf der Homepage des Vereins bestellt werden kann. "Ein russischer Fotograf, der selbst eine schwere Kindheit hatte, war begeistert von unseren Projekten und stellte eindrucksvolle Aufnahmen aus den Waisenhäusern zur Verfügung", so Vayer im pressetext-Gespräch.
Weiterführende Informationen zum tragischen Vorfall sowie Spendenmöglichkeiten finden sich hier: http://www.kleineherzen.org/home/news/news0/gasexplosion-kiew.html .
(Ende)
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